Surfen auf Porno-Webseiten kann Ihre Karriere gefährden

Der Fundus der NSA-Geheimdokumente, der über Edward Snowden nach und nach öffentlich wird, nimmt kein Ende. Bisher erfuhren wir allerdings nur sehr viel darüber, was sie alles sammeln und erfassen, aber wenig darüber, was sie operativ mit all den Informationen machen. Die amerikanische Huffington Post (übrigens wesentlich gehaltvoller als die deutsche) berichtet jetzt über einen geheimen Plan des NSA-Direktors, unliebsame Personen dadurch öffentlich zu diskreditieren, dass ihr Surfverhalten öffentlich gemacht wird: nämlich welche Pornoseiten sie besucht haben. „Persönliche Schwächen“, von denen die NSA durch die Onlineüberwachung erfährt, können dazu genutzt werden „to undermine a target’s credibility, reputation and authority“. Das bekannt gewordene Dokument vom Oktober 2012, unterzeichnet vom NSA-Direktor persönlich, listet 6 Muslime mit angeblichen Neigungen zum Jihadismus auf. Die NSA hat „absolut peinliche Informationen“ über das Surf-Verhalten einiger dieser „Ziele“ – sie besuchten in großem Stil Pornoseiten.

Sex button.

Wir erinnern uns: Osama Bin Laden war angeblich gerade damit beschäftigt, mit einer seiner Frauen einen Pornofilm anzusehen, als ihn die Special Forces der USA überraschend aufsuchten und erschossen. Natürlich war das alles US-Propaganda, der gläubige Jihadist glaubt das nicht. Ist ja auch egal. Aber zur öffentlichen Diskreditierung kann man so was schon mal verwenden, wenn man das „target“ nicht gleich erschießen will.

Nicht dass ich mit den Islamisten besonderes Mitleid hätte. Aber die Analogien zum FBI des J.Edgar Hoover der 60er Jahre sind sehr auffällig. Martin Luther King und andere Störenfriede sollten damals „neutralisiert“ werden durch Veröffentlichungen über ihre Seitensprünge und Sex-Affären.

Mit solchen Sex-Geschichten kann man nicht nur Karrieren ruinieren. Jugendliche Mädchen haben sich schon umgebracht, weil Nacktfotos von ihnen im Internet kursieren. Sie schämten sich derart dafür, dass sie Selbstmord begingen.

Was soll man von einer Gesellschaft halten, die solche sexuellen Angelegenheiten derart stigmatisiert, dass junge Leute sich umbringen und Karrieren ruiniert werden, weil jemand im Internet Pornoseiten besucht? Offenbar ist die NSA nicht nur in der Lage, irgendwelche Islamisten in Verlegenheit zu bringen. Jeder andere von der NSA zum „Feind“ erklärte muss wohl ebenfalls damit rechnen, dass ihm der Besuch von Pornoseiten, oder von Bordellen oder der Kauf von Playboy-Heften zum Verhängnis wird. Und das ist dann so peinlich, so erniedrigend, dass die Drohung damit so jemanden schon erpressbar macht. Es sei denn, man heißt Horst Seehofer – der darf alles, auch uneheliche Kinder haben.

Es gibt Politiker, die von sich offen zugeben, dass sie keine Zeit für eine Beziehung haben. Peter Altmaier zum Beispiel, der dicke Umweltminister. Sonderlich attraktiv ist er ja auch nicht. Schwul ist er anscheinend auch nicht. Kann man von ihm ernsthaft erwarten, dass er lebt wie es die katholische Kirche von ihren Funktionären erwartet, also gänzlich asexuell? Wohl kaum. Also werden Leute wie er wohl heimlich Pornofilme, Pornowebseiten oder Playboyheftchen ansehen und sich dabei vergnügen. Oder sie haben ab und zu einen one-night-stand. Bei Altmaier allerdings fällt es mir schwer, mir das vorzustellen, welche Lady der wohl zu sich ins Bett kriegt. Leute wie er werden vielleicht auch heimlich ins Bordell gehen, sich mit einer Escortlady treffen, was auch immer. Alles andere wäre völlig unnormal.

Warum sollten sich solche Leute dafür schämen? Dass sie auch sexuelle Bedürfnisse haben? Solange er nett zu der Lady ist und sie gut bezahlt, ist das völlig in Ordnung. Besser als eine Ehefrau zu frustrieren, für die er nie Zeit hat, wäre es auf jeden Fall.

Wenn die NSA das alles weiß, sind solche Leute erpressbar. Daran sind wir, die Gesellschaft, aber selber schuld. Weil wir Sexualität tabuisieren, von wegen universelle Libertinage. Ein Politiker oder Aktivist, der seine Lieblings-Pornoseiten auf der Linkliste seiner Website veröffentlichen würde, allerdings nicht mehr erpressbar – zumindest diesbezüglich. Wenn er Single ist, könnte er neben Restauranttipps auch sein bevorzugtes Bordell empfehlen. Eine Politikerin oder Aktivistin, deren Schönheit mit professionell gemachten Aktaufnahmen auf ihrer Webseite zu bewundern ist, wäre mit heimlich gemachten Nacktaufnahmen nicht mehr erpressbar. Sie könnten dazu schreiben, nur Leute mit einem zufriedenen Sexualleben können gute Politik machen, Leute mit einem frustrierten Sexualleben machen frustrierende Politik. Ehrlicher wäre das auf jeden Fall. Für heuchlerische Islamisten, die Sexualität öffentlich dämonisieren, ginge das natürlich nicht. Aber um die wäre es nicht schade.

0329AS (93)

Na, Liebste, pass auf, wenn wir jetzt weitersurfen riskieren wir unsere Karriere…

Über sunflower22a

I am a mystery.
Dieser Beitrag wurde unter Gesellschaft, Ladies (and gentlemen), Politik abgelegt und mit , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Eine Antwort zu Surfen auf Porno-Webseiten kann Ihre Karriere gefährden

  1. pantoufle schreibt:

    An der neuen Enthüllung (der wievielten eigentlich) finde ich eigentlich nur 2 Dinge bemerkenswert:
    Da wäre zum einen das freimütige Geständnis darüber, sich illegaler Mittel wie Erpressung und Nötigung zu bedienen. Das Feigenblatt »islamistisch« darf getrost überlesen werden (siehe nächsten Punkt). Unabhängig davon, daß die Informationsgewinnung an sich schon nach geltendem Rechtsverständnis unrecht ist – man hört ja keine US-Bürger ab – gibt man offen zu, wie man sich dieser Informationen bedienen will. Außer dem Etat für die NSA ist da kein wahrnehmbarer Unterschied mehr zur Mafia oder anderen kriminellen Organisationen, die mit so etwas ihr Geld verdienen.

    Die andere Irritation sehe ich in den Zahlen, die jeder neuerlichen Enthüllung folgen. Zig Millionen abgehörter Gespräche, Mails, Nachrichten, Twittermeldungen, Skype und was noch immer haben sie 6 (in Worten: Sechs!) Islamisten, die sie nun erpressen können? In wieviel Jahren Dateiabschnorcheln? Das ist ja in Promille nicht mehr auszudrücken – nur noch in hohen zweistelligen negativen Exponenten. Auch die amerikanische Regierung hat Statistiker und Kaufleute: Würde man für die Dingfestmachung eines Islamisten gefühlte 1,5 Milliarden Dollar benötigen, wäre die NSA schon lange ein Fall für den Papierkorb. Ähnlich sieht das Bild bei angeblich verhinderten Attentaten aus. Von schätzungsweise 83.000 stattgefundenen islamistischen Attentaten mal gerade 30 verhindert (nach NSA-Aussage). 0,037% ? Man stelle sich diese Bilanz bei einer polizeilichen Aufklärungsquote von Diebstahl vor. So eine Behörde würde man ersatzlos einstampfen.

    Natürlich lohnt sich der Aufwand nur, wenn es genügend andere Zielpersonen gibt, die man auf diese Weise unter Kontrolle halten kann. Siehe deutscher Bundestag: Die Aufarbeitung der NSA-Affäre wird an einen Untersuchungsausschuß verwiesen. Klappe zu. Ein Schelm, der Böses dabei denkt.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s