Es gibt viele schöne Frauen. Die meisten glauben es selber nicht

Meine liebe Mitbewohnerin kämpft immer gegen Übergewicht. In den letzten 2 Jahren hat sie schon 100 Kilo verloren, sagte sie mir jetzt ganz stolz als wir uns mal wieder was Verbotenes aber Leckeres gönnten. Natürlich hat sie die nicht auf einmal verloren – sondern stets aufs Neue. Immer wieder dieselben 3 oder 4 oder 5 Kilo, die sie meint zuviel zu haben. Manchmal sind es auch nur zwei. Sie beneidet mich grenzenlos, weil ich mehr oder weniger gedankenlos drauflosfuttern kann ohne dass ich zu dick werde. Genauer gesagt, ohne dass ich glaube ich sei zu dick. Sie meint nämlich, ich hätte durchaus etwas zuviel. Und schlägt mir vor – Achtung! – Veggie Days und so weiter einzulegen.

Natürlich könnte ich mir auch ein paar Kilo abhungern. Aber wozu? Ich fühle mich wohl so wie ich bin und wenn ich mich nackt vor dem Spiegel betrachte, finde ich, ich könnte immer noch als Stripteasetänzerin auftreten. Da kann ich mir das blöde Gehungere doch ersparen.

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Wie absurd die immer extremer und unrealistischer werdenden „Schönheitsideale“ heute werden, zeigt ein kleines Video ganz anschaulich. Aus einer schönen Frau wird im Zeitraffer das, was heute die Designer aus Models machen – ein Kunstprodukt, das formalen computerberechneten Schönheitsidealen entspricht, aber nichts lebendiges mehr ausstrahlt. Warum tun wir uns so etwas an?

Gut, neu ist das nicht. Ich habe das hier auch schon mal zum besten gegeben. Irgendwo wissen wir das ja alle. Aber so viele haben ihre Schwierigkeiten, das auch zu glauben und sich um diese „Schönheitsideale“ einfach nicht mehr zu kümmern.

Kürzlich habe ich im modernen Antiquariat einige alte Playboy-Hefte aus den 50er Jahren mitgenommen. Madre de Dios, waren diese Pinup-Girls damals dick! Das musste ich natürlich meiner lieben Freundin zeigen, und sie war immer noch nicht überzeugt. Die seien nicht unbedingt schön, meint sie.

Jayne Mansfield 3

Da war ich nicht ganz ihrer Meinung. Die Frisuren sind altbacken, aber denke dir das mal weg – ich finde diese Ladies  strahlen oft viel mehr feminine Schönheit und Selbstbewusstsein aus als die klapperdürren androgynen Models von heute. Ich habe ihr dann ein Geschenk gemacht. Ich schenke ihr ein Kleid. Ein Kleid, mit dem sie nicht mehr hungern muss und toll aussieht. Passenderweise bestellt bei Pinup Girl Clothing. Bestelle es so, dass gerade noch so passt, sagte ich ihr.

Als das Teil kam, war sie gleich begeistert. Das Teil sieht nicht nur gut aus sondern die Begeisterung schlug sofort in eine attraktive Ausstrahlung durch. Das war für sie fast revolutionär – sonst ist das Standardprogramm bei ihr immer, „tolles Kleid aber dafür muss ich leider noch abnehmen…“

Dieses Erlebnis hinterließ eine gewisse Wirkung, jetzt redet sie nicht mehr so oft davon dass sie zu dick ist, sondern dass sie aufpassen müsse, nicht dicker zu werden. Die Konsequenzen sind zwar dieselben, nämlich kulinarische Enthaltsamkeit, aber sie bringt es jetzt immer öfter fertig, sich schön und nicht wirklich zu dick zu finden. Und wenn sie doch wieder anfängt, hänge ich gern mal ein 50erjahre-Pinup-Bild auf😉

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Oder das berühmte Bild von Devin Miles, The Smile is Every Woman’s Sexiest Curve.

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Es wird Zeit, dass sich Schönheitsideale wieder an normalen Frauen orientieren und nicht an künstlichen Erscheinungen, die sich  irgendwelche Modepäpste ausdenken und denen wir dann aus unerklärlichen Gründen zwanghaft hinterherlaufen. Ich finde es toll, wie offensiv Robyn Lawley dafür kämpft – und zwar als Model mitten aus dem Fashion Business heraus. “I’ve got big hips and a big body. I’m double, triple the size of other models – and I embrace that, I own it” – Punkt, aus, sagt die Australierin in einem Interview.

Robyn hat sich jetzt von Kenneth Wilardt für eine Ausstellung künstlerisch sehr ansprechender Bilder nackt ablichten lassen. Sie posiert mit Tieren, und strahlt dabei eine unglaubliche Schönheit aus  – und ihre Proportionen entsprechen kein bisschen doch dem heutigen Idealmaßen. Ich hoffe, diese Ausstellung gibt es irgendwann auch außerhalb New Yorks zu sehen.

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Auch meine liebe Freundin findet Robyn gut, und ich glaube, sie akzeptiert jetzt endlich nicht nur intellektuell, sondern auch emotional: wahre Schönheit kommt von innen. Schönheit ist zwar auch eine Frage der Körperproportionen, und mit den richtigen Klamotten kannst du sie enorm erhöhen, aber zuallererst muss man Schönheit ausstrahlen. Wenn das fehlt, bist du ein langweiliges Püppchen. Du musst dich selber lieben und akzeptieren, und wenn du einem unerreichbaren Schönheitsideal hinterherläufst, ziehst du dich selber runter und strahlst deswegen, nun ja, das Gegenteil von Schönheit aus. Viele Frauen sind wirklich schön und attraktiv ohne die absurden Schönheitsideale einer absurden Schönheitsindustrie zu erfüllen. Und einige wenige  erfüllen sie und sind die lebende Langeweile.

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2 Antworten zu Es gibt viele schöne Frauen. Die meisten glauben es selber nicht

  1. TheNameOfTheRose schreibt:

    Das Video ist besonders interessant. Ich frage mich schon länger, warum *überhaupt* noch so ein Aufwand mit einem echten Model und einem echten Fotoshooting getrieben wird… mit den „richtigen“ Algorithmen und den „richtigen“ parametrisierten Templates könnte man das Bild wahrscheinlich schon fast ohne Umwege über die „lästige“ Realität direkt aus dem Computer generieren. Und hätte auf Mausklick *alle* Möglichkeiten offen: Falscher Hintergrund? Kein Problem, fügen wir die Frau halt in ein Loft ein. Falsche Farbe des Untergrundes? Auch kein Problem. Ach, wir wollen eine Szene auf dem Mars? Machen wir doch mal einen Abstecher zur NASA-Website, die lizensieren ihre Bilder doch kostenlos in die Public Domain, oder wie war das?😀
    Ich persönlich kann sagen, dass mich schon immer natürlich schöne Frauen angezogen haben, nicht diese photogeshoppten perfekten „Industrieprodukte“ (anders kann man die Bilder kaum nennen *grusel*). Mathematische Perfektion ist wohl nur solange schön, solange man sie sich inkarniert in ihrer Formelgestalt anschaut, aber nicht mehr, wenn sie in die Form von am Computer in Schönheitsoptimierungsmodelle implementierten Symmetriemetriken auftreten.

  2. whose schreibt:

    Ich behaupte einfach mal, daß es völlig reichen würde, würden die betroffenen äh… Damen einfach mal Komplimente annehmen (anstatt sie vollautomatisch zu hinterfragen). Evtl. auch mal von äh… Herren, die dem eigenen Idealbild möglicherweise nicht so ganz entsprechen. So ein Kompliment ist ja kein Vertrag, sondern ein Geschenk. Man (sorry, Frau) muß nichts dafür zurückgeben, kann das aber. Und, noch viel besser: Sie darf das Kompliment sogar behalten!

    Ist mir schon öfter widerfahren, daß ich Komplimente verteilte (verdammt nochmal, ehrlich gemeint und hintergedankenfrei) und dafür oft einen angeekelten Gesichtsausdruck erntete. Nachfrage „hintenrum“ ergab dann, daß die äh… Damen 1. ein Problem damit hatten, daß ICH das Kompliment verteilte (ich habe halt weder eine auf Hochglanz polierte Ritterrüstung an, noch einen weißen Gaul hinter meinem Schloss stehen) und 2. das Kompliment sofort auf Hintergedanken abklopften. Kann ja nicht sein, daß ein äh… Herr (und noch dazu „so einer!“) einen „soooo fetten Hintern“ und das Drumherum irgendwie schön findet.

    Dabei gibt es viele äh… Damen in der Kategorie „Schwergewicht“ (ich darf das sagen…), die, verdammt nochmal, ein grandioses, furioses Feuerwerk für die Augen sind. Manchmal könnte man denken, daß viele dieser äh… Damen das einfach nicht wahrhaben wollen, weil es gegen die Überzeugungen der „BMI-Religion“ geht.

    Dazu kommt: Anscheinend fällt es den Menschen heutzutage extrem schwer, ehrlich gemeinte Komplimente als solche zu erkennen. Kein Wunder, wo aller Orten und jederzeit falsche und sehr oberflächliche Komplimente um des eigenen Vorteils Willen verteilt werden…

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