One night in Frankfurt makes a hard man humble…nevermind, a woman too

Frankfurt am Main. Eigentlich mag ich diese Stadt nicht besonders. Irgendwie ist der Funke zu mir nie übergesprungen. Selten verbringe ich dort mehr Zeit als nötig. Kürzlich reiste ich dann doch einen Abend vorher an, um eine alte Bekannte zu treffen, der dann aber doch etwas dazwischen kam.

Jetzt hänge ich in einem Hotel, und irgendwie habe ich Lust auf ein Abenteuer. Mal sehen, was dabei herauskommt. Das Zimmer ist geräumig, aber das Hotel hat null Flair. Aber es liegt in einer halbwegs belebten Gegend. Ich brezle mich auf und gehe in eine nahegelegene Bar, sehr stylish und modern, aber mit Atmosphäre. Cool nennt man das wohl auf neudeutsch.

Ich setze mich an  einen kleinen Tisch und tue so, als wäre ich völlig mit meinem Smartphone beschäftigt. Es dauert nicht lange und ein adretter Mann, Ende Dreißig, fragt höflich ob an meinem Tisch noch Platz sei. Ja, kein Problem. Wir kommen ins Gespräch. Alle Leute seien heute ja so autistisch mit ihren Smartphones, da komme man ja mit niemandem mehr ins Gespräch, meint er. Ganz meine Meinung, ja mich nerven sie auch, aber sie seien ja auch eine gute Tarnung, wenn man sich abschotten möchte. – Richtig, aber ich hatte irgendwie das Gefühl Sie wollen sich nicht abschotten, sondern tun nur so. – Gut erkannt, mein Herr.

Sehr charmant, und ich denke mir, das wird ein netter Abend. Er sei aus Frankfurt, er erklärt mir was er an Frankfurt schön und nicht schön findet, ich hake ein, und schon sind wir beim Thema „Gentrifizierung“. Da sind wir nicht so ganz einer Meinung, aber so eine Diskussion ist gut wenn man jemanden kennenlernen will. Und wir kommen voll in Fahrt. Ich vermute allmählich, er kommt aus der Immobilienbranche. Aber fragen will ich ihn das nicht.

Irgendwann fällt mir auf, dass er immer wieder auffällig unauffällig zu einer Lady an der Bartheke hinüberschielt, die ebenso auffällig unauffällig uns beobachtet. Ist das hier eine Geheimdienstaktion, geht es mir durch den Kopf, wird hier ein neuer James Bond gefilmt oder was.

Ich nehme die Dame etwas direkter in Augenschein. Ende Dreißig, vermute ich. Sie trägt ein kleines Schwarzes mit großem Dekolleté, hat ein makellos schönes schmales Gesicht, lange dunkelbraune Haare – und sie lächelt. Mit einem Sektglas vor sich schaut sie mit Genießerblick zu uns rüber.

Irgendwann wird es mir zu dumm, und ich frage ihn direkt: wer ist die Frau da drüben? Er weicht aus, und meint sie würde uns dauernd beobachten, das sei ihm auch schon aufgefallen. – Hey, Sie kennen sie, machen Sie mir nichts vor. – Er lächelt vielsagend, ja, er kenne sie. – Und wer ist sie? – Was vermuten Sie? – Ihre Führungsoffizierin vermutlich. Bei mir gibt es keine Geheimnisse auszuforschen. – Das sagen alle, sagt er grinsend. – Sie verwechseln mich wohl. Also bitte, raus mit der Sprache.

Stille. – Nun? – Also gut: es ist meine Frau.

Ich muss wohl ziemlich perplex ausgesehenen haben. Damit hatte ich natürlich gar nicht gerechnet, widersprüchliche Gefühle kommen auf, abwechselnd zwischen „dieses Schwein, er hat mich voll reingelegt“… „Kompliment, Madame, das haben Sie toll eingefädelt, so eine Masche zum Geilwerden hat was, alle Achtung, aber jetzt kann ich ja gehen“ … „Hey Typ, die Nummer ist gut, jetzt legen wir erst richtig los, so dass nicht nur deine Alte zusieht sondern die ganze Bar“.

Impulsiv verpasse ich ihm einen laut schmatzenden Kuss, der Nachbartisch applaudiert, verdutzt bleibt er sitzen, ich stehe auf und gehe zu der Lady. Ich lächele sie freundlich an. „Scharfe Nummer, die Sie hier machen. Darauf muss man erst mal kommen. Machen Sie das öfter?“

Sie lächelt zurück und sagt einfach mit entwaffnend-sympathischer Ehrlichkeit: ja. Krasse Nummer. Der Barkeeper fragt, ob ich auch einen Sekt will. Ja. Eigentlich nein, dazu müsste ich ja noch ein bisschen hier bleiben. Aber – ja, also ja. Okay, Ja. Ich sage ihr, ich finde das Scheiße. Sie aber sagt mit einem nicht ganz irdischen Gesichtsausdruck, sie findet es ungeheuer faszinierend, zuzusehen wie ihr Partner mit einer fremden Frau flirtet, und er könne das wahnsinnig gut. – Haben Sie keine Eifersuchtsgefühle? Die meisten Paare würden doch bei so etwas eher Amok laufen? –  Nein, mit Eifersucht habe das nichts zu tun. Es sei für sie eine irre sexuelle Stimulanz, und hinterher gehen sie immer ins Bett.

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Das sagt sie mir so als wäre es die natürlichste Sache der Welt, und diese Selbstverständlichkeit beeindruckt mich. Ich frage neugierig weiter. Wie sind Sie denn dazu gekommen? – Zufällig, als sie ihren Mann dabei ertappt habe wie er in einer Bar mit einer fremden Frau geflirtet hat, und sie hat das dann eine Stunde lang beobachtet und dabei gemerkt wie sie das wahnsinnig erotisch fand. Sie sei dann einfach irgendwann an die Theke spaziert und habe ihren Mann umarmt und leidenschaftlich geküsst. Damit habe ihre Beziehung einen erotischen Kick bekommen, den sie vorher nicht hatte. – Spannend! Und irgendwann wären Sie heute abend an unseren Tisch gekommen und hätten vor meinen Augen so eine Knutsch-und-Kuss-Szene gemacht? – Ja, genau. – Und dann? Oder wenn die Lady das rechtzeitig merkt, so wie heute, da könnte ich ja jetzt auch eine wütende Szene abziehen, oder? – Ja, das gab es auch schon, aber selten. Meistens gehen diese Frauen sehr schnell, mit bösen, manchmal auch belustigten Blicken. Nur selten komme man dann ins Gespräch.

Sind es immer dieselben Frauentypen, also solche wie ich? – Ja, auf die stehen wir sehr, aber wir sind nicht wählerisch. Blonde sind riskanter, die werden eher wütend. Nur von Musliminnen lassen wir die Finger. Ob jung oder nicht mehr so jung, ob etabliert oder ein bisschen flippig, auch auf die Figur komme es nicht an. Eine interessante Persönlichkeit sei wichtig, mit der sei es am spannendsten. Also eine wie Sie… –

Smile. Je länger wir uns unterhalten, desto interessanter finde ich sie, sie übt eine wachsende Anziehungskraft auf mich aus. Ganz schön mutig, die Lady, und ich werde jetzt auch mutiger. Unmerklich rücke ich näher und irgendwann stelle ich fest wie meine Hand über ihren Rücken streicht. Sie sagt nichts, aber ich merke, sie genießt es.

Sie erzählt weiter, einmal, da sei es sehr schön geworden, die Lady habe damals mitbekommen dass sie beobachtet wird, und habe dann umso leidenschaftlicher mit ihrem Mann geflirtet. Sie seien dann noch stundenlang zusammengewesen, und schließlich zu dritt im Bett gelandet. Eine Amerikanerin auf der Durchreise. Sie setzt geradezu verträumte Augen auf und streichelt meine Schenkel, langsam immer weiter nach oben. Hoppla.

Ich überlege ob ich ihr das Du anbieten soll. Wir wissen nicht mal voneinander wie wir heißen…nein, ich finde genau diese Mischung aus formaler kühler Distanz und Anonymität und gleichzeitiger Intimität sehr prickelnd. Ich will nicht wissen wie sie heißt, ich bleibe beim Sie. Plötzlich umarmt sie mich und küsst mich, streicht mir über den Rücken, schiebt die Hand unters Kleid, und nach der ersten Überraschung genieße ich es. Der Barkeeper auch.

Sind Sie bi, frage ich direkt – und sie sagt, vielleicht. Sie genieße den Sex mit ihrem Mann sehr, aber Frauen üben seit einiger Zeit auch eine gewisse Anziehungskraft auf sie aus. Das sei früher nicht so gewesen. – Gratuliere, ich finde auch, Sie haben viel mehr Möglichkeiten wenn Sie bi sind. Während wir uns von Frau zu Frau in dieses Thema vertiefen, merken wir zwar dass wir inzwischen längst von weit mehr als nur einem Augenpaar beobachtet, teilweise geradezu studiert werden. Und, ja, da war ja noch einer. Der, mit dem alles anfing. Er tritt neben seine Frau und küsst sie. Anerkennend sagt er zu uns, die Rolle als Zuschauer habe er noch nie gespielt. Die sei aber auch nicht schlecht. Aber nur eine Zeitlang. Also, er wolle sich nur in Erinnerung rufen.

Muss das jetzt sein? Irgendwie stört er jetzt. Jedenfalls mich. Da fängst du einen Flirt mit einem durchaus netten Mann an, und landest am Ende bei einer noch spannenderen Frau. Das passiert mir nun wirklich nicht alle Tage.

Aber natürlich kann seine Partnerin ihn jetzt nicht wegschicken. Irgendwie schafft er es, sich charmant in unsere Unterhaltung einzuklinken, ohne aufdringlich oder dominant zu werden. Das ist schon was wert. Nein, er stört nicht mehr, wirklich, die beiden sind gut drauf. Die Zeit verging wie im Flug, und irgendwann stellte sich die Frage, wie weiter. Noch woanders hin? Eigentlich nicht. Sie luden mich zu sich nach Hause ein. Aber das war nicht direkt um die Ecke. – Ach, nein, lasst uns doch in mein Zimmer im Hotel gegenüber gehen.

Es wurde eine sehr schöne Nacht. Am nächsten Tag war ich nicht immer ganz hellwach…

Über sunflower22a

I am a mystery.
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3 Antworten zu One night in Frankfurt makes a hard man humble…nevermind, a woman too

  1. kalypso schreibt:

    hai,

    bei absatz vier wars mir klar: des wird a dreier!!!

    naja – wer seinen spaß daran findet – ist auch immer eweng ein spiel mit dem feuer!!

    ich bin nicht so der spieler – und begnüge mich mit dem, was ich habe – im moment keinen partner – dafür mich – ist auch sehr interessant, was man so findet, wenn frau mit sich selbst
    spielt :-))

    herzlichst
    kalypso

  2. DasKleineTeilchen schreibt:

    wo bin ich denn hier gelandet? kiezneurotiker und seine links, da tun sich abgründe auf.😄

  3. DasKleineTeilchen schreibt:

    achja, und? wara nu in immobillien? mit sowas würd ich nämlich nichmal die kloschüssel teilen!

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