Die Ninja-Kämpferinnen von Teheran

Iran. Ein Land, in dem Frauen unterdrückt werden, in dem Atombomben gebastelt werden, in dem irgendwelche verrückten Religionsfunktionäre das Volk unterdrücken. Abgesehen davon, dass es sowas auch woanders gibt – im Iran ist das alles nur halb wahr. Die Frauen Irans haben für Rohanis Wahl gesorgt, und sie werden den Araberinnen noch zeigen, was Emanzipation in einem islamischen Land ist.

Der neueste Schrei unter Irans Frauen ist – Kampfsport. Genau. Reuters musste letztes Jahr seine Büros im Iran schließen, weil sie Berichte verbreitet hatten, das iranische Regime bilde „Ninja-Killerfrauen“ aus, die im Ausland zuschlagen sollten.

Nichts davon stimmt. Dem Regime ist es eher unheimlich, dass unter Frauen ostasiatische Kampfsportarten so beliebt werden. Leider hat der Prophet Mohammed nichts davon geahnt und es deswegen auch nicht verboten. Die erste Frauen-Schule für die japanische Kampfsportart Ninjutsu eröffnete bereits 1989, und die Gründerin Akbar Faraji musste heftigst gegen die Revolutionswächter ankämpfen, die das für „westliche Dekadenz“ hielten, obwohl es nun wirklich ganz und gar nicht westlich, sondern östlich war.

Heute ist der Widerstand überwunden. Iranerinnen kämpfen mit und ohne Waffen als „Ninjas“, und lernen Selbstbeherrschung, Selbstvertrauen und Ausdauer. Auf eine gewisse Kopfbedeckung können sie bisher noch nicht verzichten. Auch unter Männern sind ostasiatische Kampfsportarten im Iran sehr populär. Aber das ist eigentlich keine Überraschung. Kämpfende Frauen – kaum etwas dürfte das Frauenbild der Islamischen Republik gründlicher verändern. Ich finde das toll, auch wenn ich mit Kampfsportarten sonst nicht viel anfangen kann.

Tolle Bilder kämpfender Ninja-Iranerinnen zeigt die Website von Majalla.

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Auch woanders steigen muslimische Frauen in traditionell männliche Sportarten ein. Im stark islamisch geprägten Sansibar erobern sie den Fußball – die absolut lesenswerte website Muslima – Muslim Women’s Art and Voices bringt dazu eine Reportage. Die Ladies vom Team „New Generation Queens“ müssen gegen enormen gesellschaftlichen Druck und oft gegen ihre Familien ankämpfen – sie zeigen sich öffentlich in Shorts, spielen gegen Männer (!) und das auch noch vor einem gemischten Publikum.

Eigentlich müsste man sich wünschen, dass so etwas viel bekannter wird. Andererseits – was haben diese couragierten Ladies davon, dass sie im Westen mit irgendwelchen Zerrbildern durch die Medien gehypt werden? Gar nichts. Als Reuters die iranischen Lady Ninjas zu Killerinnen hochstilisierte, klagten sie erfolgreich gegen Reuters und Reuters flog aus dem Iran raus. Vielleicht ist es besser so. Je mehr sie in irgendwelchen westlichen Medien gehypt werden, desto schlechter für sie. Die Muslima wird ihre Freiheit erkämpfen, davon bin ich felsenfest überzeugt – aber nicht mit westlicher Hilfe.

Über sunflower22a

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Eine Antwort zu Die Ninja-Kämpferinnen von Teheran

  1. socialinform schreibt:

    Hallo sunflower22a,

    Ich grattuliere dir zu einem sehr interessanten Artikel.
    Insgesamt ist die Situation der Frauen in der islamischen Welt alles andere als optimal. Trotzdem habe ich die meiste Hoffnung in Iran, wo die Regierung jegliche Emanzipierung der Frauen kritisch betrachtet, wo aber die Gesellschaft schon immer diesbezueglich weiter war als in den Nachbarländern.
    Interessante Artikel über iranische Frauen kannst du in meinem Blog finden:
    http://theotheriran.com/women/
    oder einfach in der Tagcloud „women“ anklicken, um alle Artikel zu dem Thema zu sehen.

    Ansonsten mach weiter so🙂

    socialinform

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