Warum hört eigentlich niemand auf die Geheimdienste?

Die Geheimdienste sind jetzt das große Thema, das große Feindbild. Vor allem die NSA, aber auch die Deppen von den deutschen Geheimdiensten, die angeblich nicht wussten, was der „große Bruder“ so treibt. Ja, es wurde Zeit, dass das alles mal rauskommt. Edward Snowden verdient alle Verdienstorden der Welt dafür.

Aber ich erlaube mir jetzt mal eine andere Frage: was machen eigentlich die Politiker, in deren Namen die ganze Schnüffelei betrieben wird, mit all dem Wissen? Machen sie überhaupt irgendetwas damit?

Ich glaube nicht. Vermutlich ist es mit den ganzen Abhör-Erkenntnissen genauso wie mit Gutachten und Studien auch: was die eigene Meinung und die eigenen Vorurteile bestätigt, wird begeistert aufgenommen und zitiert. Und die Erkenntnisse, die dazu nicht passen, werden verdrängt und ignoriert, solange es nur geht.

Ein Beispiel konnte man jetzt im US-Kongress besichtigen. Einer der heiligen Grundprinzipien amerikanischer Außenpolitik ist: wir stehen an der Seite Israels, egal welche Schweinereien die begehen. Und ausgerechnet ein hoher CIA-Funktionär ging das jetzt frontal an. Damit müsse endlich Schluss sein. Michael Scheuer, 22 Jahre lang hoher CIA-Analytiker für den Nahen Osten und jetzt Professor an der renommierten Washingtoner Elite-Universität Georgetown, erklärte in einer Anhörung am 9.Oktober

“If it was up to me, I’d dump the Israelis tomorrow. All I worry about is that continuing preaching of American politicians to the American people that our relationship with the Israelis doesn’t cause us to have dead Americans and extraordinary expenses in fighting the Muslim world.”

Scheuer

Seit Jahrzehnten unterstützen die USA prowestliche Diktaturen, betreiben hemmungslosen Kulturimperialismus, geben den islamischen Ländern das Gefühl sie seien minderwertig, und unterstützen bedingungslos den israelischen Kolonialismus. Das sei es, was islamische Fundamentalisten zu Gotteskriegern und Selbstmordattentätern mache. Welche Freiheiten im Westen herrschen oder nicht herrschen, das treibe niemand zu einem Selbstmordattentat. Aber was der Westen, sprich USA, in den islamischen Ländern mache, das könne nur Widerstand hervorrufen. Diesen Widerstand zu bekämpfen, verursache immer höhere Kosten und Opfer.

Eigentlich banal. Wer seine fünf Sinne beisammen hat, kann nur zu derselben Erkenntnis kommen. Dafür muss man nicht 22 Jahre bei der CIA gewesen sein.

Aber sowas wollten die Politiker nicht hören. Sie attackierten den geladenen Sachverständigen Scheuer massiv, und der tat etwas völlig Uncharakteristisches: er gab nicht etwa klein bei, sondern blieb knallhart.  Irgendwann sagte er einem dieser Provinztrottel-Politiker, einen gewissen Chris Stewart aus dem Mormonenstaat Utah, ins Gesicht, er rede bullshit.

Chapeau.

Besonders pikant: genau dieser Stewart wollte hartnäckig wissen, ob Scheuer in seiner aktiven Zeit genau dieselben Thesen vertreten habe. Ob die vielen Mitarbeiter, deren Chef Scheuer war, dieselben Meinungen hätten. Scheuer weigerte sich standhaft, dazu etwas zu sagen. Er sei kein McCarthy-Denunziant.

Natürlich kann er derart knallhart nur auftreten, weil er jetzt nicht mehr bei der CIA ist. Aber er dürfte in seinen 22 Jahren Dienstzeit zumindest intern auch nicht hinter dem Berg gehalten haben mit seinen Erkenntnissen.

Das ist nur ein Beispiel. Ich glaube nicht, dass Geheimdienste dazu beitragen, dass irgendwelche Politiker Erkenntnisse bekommen, mit denen sie bessere Entscheidungen treffen können. Dafür bräuchten sie noch nicht mal Geheimdienste – dafür reicht schon das Internet und ein wacher Verstand. Mit besseren Erkenntnissen bessere Entscheidungen treffen – das wollen die gar nicht. Geheimdienste sind dazu da, im Interesse derjenigen die gerade herrschen, solche Erkenntnisse zu unterdrücken. Und deswegen gehören sie abgeschafft.

 0399AS (34)

Vielleicht sollte ich wieder zum klassischen Spiegel zurückkehren. Die NSA muss mich ja nicht auch noch beobachten wie ich mich schön mache….

Über sunflower22a

I am a mystery.
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