New York: Neue Politik gegenüber Sexarbeiterinnen

Prostitution ist in New York strafbar und Sexarbeiterinnen wurden dementsprechend bis vor kurzem als Kriminelle behandelt. Darüber habe ich hier auch schon mal geschrieben. Der höchste Richter des  Bundesstaates hat nun einen Kurswechsel verkündet. Sexarbeiterinnen und Prostituierte werden nicht mehr ins Gefängnis geschickt, sondern bekommen von Sondergerichten Umschulungen und andere „soziale Dienstleistungen“ verordnet. Das alles sei ein Beitrag gegen Menschenhandel und moderne Sklaverei, so der Richter. Wer diese „sozialen Dienstleistungen“ ablehnt, wird wegen Prostitution angeklagt – die ist nämlich illegal in New York.

Eine Prostituierte ist also Opfer von Menschenhandel, also eine Sklavin, und muss gerettet werden. Sie wird nun von der Kriminellen zum Opfer umdefiniert. Was aber, wenn die Prostituierte weder kriminell ist noch Opfer, sondern einfach aus freien Stücken ein selbständiges Gewerbe betreibt? Im Gesetz gegen Menschenhandel ist freiwillige, selbständige Sexarbeit juristisch nicht vorgesehen. Im Gesetz gegen Prostitution ist wiederum nicht vorgesehen, dass die Prostituierte Opfer von Menschenhandel ist. Wenn jetzt also jede Prostituierte Opfer von Menschenhandel ist, kann sie eigentlich nicht mehr wegen illegaler Prostitution belangt werden. Wird sie aber, wenn sie die staatliche Zwangsbeglückung ablehnt. New Yorker Gerichte werden zukünftig feststellen, ob jemand Sex-Sklavin oder Sex-Arbeiterin ist.

Eine Prostituierte ist also gleichzeitig Opfer und Kriminelle. So erspart sich der Staat die etwas mühsamere Aufgabe, die wirklichen Opfer von Menschenhandel zu identifizieren und etwas für sie zu tun. Die Global Alliance Against Traffic in Women ist genau deshalb für die Entkriminalisierung von Sexarbeit – als Strategie im Kampf gegen ausbeuterische Praktiken in der Branche. Schon die Tatsache, dass dafür Sondergerichte installiert werden, zeigt welche juristischen Klimmzüge hier gemacht werden.

Es ist gut, dass Prostituierte nicht  mehr automatisch als Kriminelle verfolgt werden. Aber: zwischen Sexarbeiterinnen und Opfern von Menschenhandel zu unterscheiden, ist nicht so einfach. Man kann nicht einfach alle verhaften und dann vor einem Sondergericht versuchen, sie auseinander zu sortieren. Es kann nur darum gehen, Sexarbeiterinnen endlich ihre Arbeit frei von Verfolgung machen zu lassen und sie vor Gewalt und Ausbeutung zu schützen. Dann hat die Polizei sie als Verbündete und sie wird sehr viel eher Erfolg im Kampf gegen wirklichen Menschenhandel haben. So wie das in anderen Branchen auch der Fall ist.

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Hey, ihr Lieben, habt ihr gehört, sie wollen uns jetzt ins Umerziehungslager stecken!

Über sunflower22a

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