Die Körpersprache der Macht

Letzte Woche bekam ich gleich zweimal gesagt, ich hätte einen Diskussionsstil wie ein Mann. Und zwar von einer Frau und von einem Mann, bei zwei völlig unterschiedlichen Gelegenheiten. Na sowas. Ausgerechnet ich. Warum, wollte ich wissen, und die Lady sagte mir, das sei ihr schon klargeworden bevor ich überhaupt ein Wort gesagt hätte. Wie geht das denn? Ganz einfach, die Körperhaltung mache den Unterschied.

Da habe ich doch mal ein bisschen nachgehakt, sowas lässt mir ja keine Ruhe. Tatsächlich hat die Philosophin Sandra Lee Bartky in dem Sammelband „Writing on the body: Female Embodiment and Feminist Theory“ das schon mal erforscht. Viele Frauen haben eine Tendenz, ihren Körper kleiner zu machen als nötig, sich am Tisch nicht so breit zu machen, die Arme eher eng am Körper anliegend zu lassen und in Sofas nicht breit ausladend herumzulümmeln. Ausladendes Gestikulieren, laute Stimme gelten als dezidiert unfeminin. Eine anständige Frau macht sowas nicht. Dummer weise wird genau dieses Verhalten auch assoziiert mit Menschen, die in der Hackordnung eher unten stehen.

Soziologische Beobachtungen haben ergeben, dass in rein männlichen Gruppen die in der Hackordnung weiter unten stehenden Männer in etwa die beschriebenen „weiblichen“ Verhaltensweisen übernehmen. Die Chefs dagegen machen sich breit und belegen schon rein optisch mehr Platz und sind lauter. Wie bei zahlreichen Tieren übrigens auch, da macht der Mensch keine Ausnahme.

Ein Forscherteam um Andy Yap und Dana Carney fand sogar heraus, dass dieses „expansive“ Verhalten generell einhergeht mit weniger Ehrlichkeit. Männer und auch Frauen, die sich so verhalten, empfinden ein Gefühl größerer Macht (hoppla), sind risikobereiter und stresstoleranter. Umgekehrt sind Menschen mit einer weniger expansiven Körpersprache stressanfälliger und geben schneller auf.

Vor allem aber sind die „expansiven Typen“ auch eher bereit, zu lügen und andere hinters Licht zu führen. Mit einigen Experimenten mit Dutzenden von Testpersonen kamen sie immer wieder zu diesem Ergebnis. Deswegen nennen die Forscher ihre Arbeit „The Ergonomics of Dishonesty“.

Hier habe ich dann doch mal pausiert. Zuerst wird behauptet, ich diskutiere wie ein Mann, und dann sind das alles auch noch Zeichen von Dominanzverhalten und Unehrlichkeit. Hallo?

Naja, lieber sowas als eine Loserin, denke ich mir. Und, sehr beruhigend, die Forscher fanden auch dass Leute mit hohen moralischen Standards durch Macht diese Standards eher noch erhöhen, während Leute mit niedrigen moralischen Standards diese noch weiter absinken lassen, wenn sie mächtig werden.

Ladies, tut euch keinen Zwang an. Macht euch ruhig ein bisschen breiter. Unbewusst signalisiert ihr damit Macht. Und wenn ihr dann gesagt bekommt, ihr diskutiert wie ein Mann, betrachtet es einfach mal als Kompliment. Wenn Unterwürfigkeit als feminines Verhalten gilt, dann weg damit.  

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Über sunflower22a

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2 Antworten zu Die Körpersprache der Macht

  1. tikerscherk schreibt:

    Mir wurde auch schon mahrfach der Diskussionsstil eiens Mannes unterstellt, oder vielmehr vorgeworfen. Vor allem von Frauen, seltener von Männern.
    Ich kann damit wenig anfangen.
    Dein Text erhellt das insofern ein bisschen, obwohl ich weder breitbeinig dasitze, noch besonders laut rede. Vielleicht ist es einfach ein selbstverständlich selbstbewusstes Auftreten, die zu dieser Zuschreibung führen. Und ich finde das gut, auch wenn es als Vorwurf gemeint ist. Um meien Weiblichkiet mache ich mir dabei keine Sorgen.

  2. rogerreloaded schreibt:

    Ja, und nein. Also klar sollten sich Frauen nicht kleinmachen und von irgendwelchen breitschultrigen Mackern einschüchtern lassen. Deshalb ja, gerne auch mal auf den Tisch hauen. Zugleich befürchte ich das dass langfristig nicht so ne tolle Strategie ist, weil sich damit tendenziell die Zahl der herumlaufenden Macker*innen erhöht. Deshalb nein, es ist vielleicht nicht so die Idee, männlich konnotiertes dominantes Redeverhalten zu propagieren, sondern umgekehrt zu fördern, dass auch menschen, die keine Lust haben den ganzen Tag aufgepustet und laut zu sein um ernst genommen zu werden, teilhaben können. Also eher situationsbezogen drüber nachdenken, was der Preis für welches Verhalten ist und wenns geht sich nicht den ganzen Tag auf die Brust klopfen und primatenmäßig »ich hab recht weil ich bin größer und stärker« zu spielen.

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