Die „Vergewaltigungskultur“

Viele Männer haben Schwierigkeiten, damit klarzukommen, dass die Zeit des Patriarchats abläuft. Frauen werden weltweit immer selbstbewusster, erobern immer mehr Machtpositionen, lassen sich immer weniger herumkommandieren. Der Islamismus und seine Verherrlichung  mittelalterlicher Sozialstrukturen ist in diesem Kulturkreis eine Reaktion darauf, während in westlichen Kulturen diese patriarchale Gegenwehr anders abläuft. Brutale Gewalt als Mittel der männlichen Dominanz hat aber auch hier noch lange nicht ausgedient.

In der Huffington Post erschien jetzt ein lesenswerter Artikel von Bostoner Studenten über die „rape culture“, die Kultur der Vergewaltigung. Sie ist schwer zu definieren oder zu beschreiben, aber wenn man ihr begegnet, erkennt man sie sofort. Sie tritt beispielsweise bei der Solidarisierung von Männern mit Vergewaltigern auf – und ein paar doofe Weiber gibt es immer, die dabei mitmachen, weil sie Vergewaltigungsopfer für „Schlampen“ halten, die natürlich weitaus schlimmere Menschen sind als Vergewaltiger. Die Emily-Lindin-Story ist ein Beispiel dafür, wie eine Macho-Schweinegruppe ein Mädchen besoffen macht, vergewaltigt und hinterher tyrannisiert und fast in den Selbstmord treibt. Und dabei noch vom gesellschaftlichen Umfeld gedeckt wird.

Es kommt zunehmend vor, dass Vergewaltigung trivialisiert wird, oder als erotisch hochstilisiert wird, oder Witze darüber gerissen werden  – da brauchst  du nur zu googeln, und du siehst welcher Dreck da hochkommt. Die amerikanische Alltagssprache kommt mittlerweile mit so schrecklichen Phrasen daher wie „I raped that test“ – der junge Mann hat den Test nicht etwa locker bestanden, nein, er hat ihn vergewaltigt. Erobern ohne großen Widerstand überwinden zu müssen, so stellt sich der junge Macho eine Vergewaltigung vor. (Da kann er sich aber schwer täuschen…)

Beliebt sind auch Filme wie „American pie“, in denen sich junge Männer zusammenrotten um Frauen irgendwie besoffen zu machen oder zu betäuben, damit sie sie endlich ficken können. „Wanna smell my new cologne? It’s called chloroform,“ na welch ein passender Witz. Sowas erfreut sich bei den männlichen Losern in den USA anscheinend wachsender Beliebtheit – wenn man schon gesellschaftlich immer weniger gegen die Frauen ankommt, muss man ihnen wohl auf diese Tour zeigen, wer der Chef ist. Für solche Typen geht es bei Sex nicht um Liebe und Intimität, sondern um Beherrschung. Lynn Phillips von der University of Massachusetts definiert es so: „Rape culture is a culture in which dominant cultural ideologies, media images, social practices, and societal institutions support and condone sexual abuse by normalizing, trivializing and eroticizing male violence against women and blaming victims for their own abuse.“

Und so sind Vergewaltigungsopfer wohl die einzigen Verbrechensopfer, die sich so oft schämen – wenn dir die Handtasche geklaut wird, erzählst du das allen. Wirst du aber vergewaltigt, hältst du lieber die Klappe, weil dir wahrscheinlich erstens die meisten sowieso selber die Schuld geben („warum läufst du auch so rum?“), und zweitens bist du so psychisch platt dass du genau diese Scheiße nicht hören kannst.

Und da kommen dann auch die US-Medienkonzerne ins Spiel. Disney ist so ein Fall, ein Konzern der mit einer ekelhaften Beharrlichkeit männliche Dominanzstrukturen reproduziert. Oder Facebook. Dieser Sauladen kommt immer mehr unter Druck, weil es für Zuckerberg & Co offensichtlich völlig okay ist, gewaltverherrlichende Inhalte gegen Frauen zu verbreiten. Alles was nach schöner Erotik aussieht, wird sofort gelöscht. Aber Facebook-Gruppen wie „Fly Kicking Sluts in the Uterus, Kicking your Girlfriend in the Fanny because she won’t make you a Sandwich, Violently Raping Your Friend Just for Laughs” – das ist okay. Entsprechende Kritik ignoriert Facebook einfach .Eine Gruppe von Feministinnen belässt es jetzt nicht bei einem Offenen Brief an Facebook, sondern schreitet zur Aktion, berichtet MsMagazine. Anzeigenkunden, die bei diesen gewaltverherrlichenden Inhalten eingeblendet werden, werden jetzt unter Druck gesetzt. Das dürfte früher oder später wirken.

Ladies, wir sind noch lange nicht am Ziel. Gewonnen haben wir erst, wenn sich auch die Männer angewidert von solchen Typen abwenden, die so eine alltägliche „rape culture“ verbreiten. Heute machen das ja noch nicht mal alle Frauen…

….passt bloß auf, wir kriegen euch….

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Über sunflower22a

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