Pornografie und Gewalt

Konservative und Traditionsfeministinnen behaupten gerne, Pornografie führe mehr oder weniger direkt zu mehr sexueller Gewalt gegen Frauen. Tracy Clark-Flory weist auf Salon darauf hin, dass dies nirgendwo belegt werden könne.  Es gibt sogar wissenschaftlich Untersuchungen, die diese Behauptung widerlegen. Sie zitiert das Journal „Violence against women  (was es alles für Zeitschriften gibt, ich bin beeindruckt): “A comprehensive literature review concluded that research has not demonstrated a link between media images — of any kind — and audience behavior.” So sagt man das wohl als Wissenschaftler. Der “Scientific American” will sogar herausgefunden haben, dass die leichte Verfügbarkeit von Internet-Pornografie mit einer Abnahme sexueller Gewalt einhergeht – was sie zu der Überschrift bringt „The sunny side of smut“. Je besser der Zugang zum Internet, desto stärker nahm in den letzten 20 Jahren die Zahl sexueller Gewaltverbrechen ab, in den USA und in anderen Ländern. Zufall?

Naja, das ist wohl auch eine gewagte These. Tracy zitiert dann einen anderen Wissenschaftler, der die Sache wohl auf den Punkt bringt: Joseph Slade, Autor von  “Pornography and Sexual Representation: A Reference Guide,” erklärte ihr in einem Interview vor 2 Jahre, “No responsible academic researcher claims that evidence supports pornography’s causing hostility or violence, principally because of the number of variables involved in constructing studies, the divergent definitions of pornography, and the sometimes unconscious biases of those who look for effects.”

Was auch immer – ich leite daraus ab: Wer gegen Pornografie ist, der sollte das nicht damit begründen, dass es zu mehr sexueller Gewalt führt.

Eine wichtige Rolle dabei spielt aber anscheinend die Frage, wie die Konsumenten von Pornografie eigentlich selbst zu diesem Konsum stehen. 2009 hat Michael P. Twohig, Psychologe an der Utah State University, 299 Studenten befragt ob sie ihren eigenen Konsum von Pornografie für problematisch halten, beispielsweise ob sie sich dafür schämen oder ob sie glauben, dadurch schwerer Sexualpartner zu finden.

Er fand heraus, dass unter den Konsumenten von Pornografie das Ausmaß des Konsums nichts damit zu tun hat, in welchem mentalen Zustand diese Menschen sich befinden. Worauf es ankommt, sei stattdessen ob die Personen versuchen, ihre sexuellen Wünsche und Gedanken zu kontrollieren versuchen. Je mehr sie selbst versuchten, ihre Pornografiewünsche oder auch das Verlangen nach Sex zu unterdrücken, desto mehr halten sie ihr eigenes sexuelles Verlangen für ein Problem. Klingt irgendwie logisch, hätte ich mir denken können.  Twohig schließt daraus, dass der Versuch, seine sexuellen Wünsche oder das Verlangen nach Pornografie zu unterdrücken, beispielsweise aus moralischen oder religiösen Gründen, dieses Verlangen sogar noch steigern kann und dann zu Problemen führen kann. Am Ende komme es auf “die persönlichen Einstellungen und Werte”  an, so Twohig. Kurzum: die realen Auswirkungen von Pornografie haben mit diesem Medium selbst wenig zu tun, sondern es kommt auf das Individuum an. Und dass sexuell Verklemmte, die sich ständig selber zu unterdrücken versuchen, letztlich gefährlicher sind als lustvolle Genussmenschen, liegt wohl auf der Hand.

Neigt die Dame etwa zur Gewalt?

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Über sunflower22a

I am a mystery.
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