38000 Mädchen werden jeden Tag zwangsverheiratet

In welch mittelalterlichem Zustand sich Afghanistan heute immer noch befindet, wurde kürztlich mit der herzzerreißenden Story über die drohenden Zwangsverheiratung eines 6jährigen Mädchens bekannt. Der Vater der kleinen Naghma konnte Schulden in Höhe von 2500 Dollar nicht zurückzahlen, und bot sie daher als Braut für den 17jährigen Sohn des Geldverleihers an, so der Blog madre.org. Die Story schaffte es bis in die New York Times. Auf dem Papier ist es auch in Afghanistan illegal, Kinder zwangszuverheiraten oder Frauen zu verkaufen. Aber in solchen Ländern  ist das Gesetz nur ein Stück Papier. Was noch schlimmer ist – die NYT zitiert Naghmas Großmutter: So etwas sei früher nie vorgekommen.

Naghma, front right, 6, who will be married to a lender's 17-year-old son to pay her family's debt if her father cannot repay it.

Afghanistans rückständige, patriarchale Gesellschaft scheint sich zurückzuentwickeln statt vorwärts. Die NYT schreibt: „Because Naghma, whose name means melody, was not chosen by the groom, she will most likely be treated more like a family servant than a spouse — and at worst as a captive slave. Her presence may help the groom attract a more desirable second wife because the family, although poor, will have someone working for it, insulating the chosen wife from some of the hardest tasks. Anthropologists say this kind of use of women as property intensified after the fall of the Taliban, said Deniz Kandiyoti, a professor at the School of Oriental and African Studies at the University of London. The most recent anthropological studies of the phenomenon were of indebted drug traffickers who sold their daughters or sisters to settle debts, she said. These are essentially distress sales. And unlike the norm for marriage exchanges before the past three decades of war, the women in some cases have become salable property — stripped of the traditional forms of status and respect, she said.”

Dieser einzelne Fall scheint wohl Richtung Happy-End zu gehen. Nachdem der Ältestenrat den deal gebilligt hatte, bereute der Vater den Deal. “If, God forbid, they mistreat my daughter, then I would have to kill someone in their family,” wird er in der NYT zitiert. Aber: Ein anonymer Wohltäter bezahlte die Schulden, schreibt die NYT und die Huffington Post.

Wieviele andere haben dieses Glück nicht? Ich frage mich wirklich was der Westen in Afghanistan eigentlich macht, außer ab und zu ein paar Taliban abzuschießen. So wichtig das ist, aber wenn der Rest den Bach runter geht? Ich verstehe es einfach nicht.

Aber es ist ja nicht nur Afghanistan und die ganze Taliban-Scheiße. In weiten Teilen der Welt braucht man offenbar gar keine Taliban, um Mädchen in eine Zwangsheirat zu verkaufen. MsMagazine brachte jetzt einen Beitrag, der zeigt wie weit verbreitet diese Epidemie ist – und sie nimmt sogar noch zu. Am schlimmsten ist es in einem unbekannten afrikanischen Land namens Niger, wo sage und schreibe drei Viertel der Mädchen unter 18 zwangsverheiratet werden. Bangladesh: zwei Drittel. Indien: die Hälfte. Selbst in einem scheinbar so liberalen Land wie Brasilien: ein Drittel.

Armut und Geldgier sind die Ursache. Aber mal ehrlich, arm waren die Leute schon immer. Für Konsumwünsche deine Tochter verkaufen? Wie kaputt musst du eigentlich sein, wenn du sowas machst? Die Vereinten Nationen schätzen, das JEDEN TAG 38000 Mädchen zwangsverheiratet werden. Unfassbar. Diesen Mädchen wird in der Regel jede Chance genommen, ein erfülltes selbstbestimmtes Leben zu führen. MsMagazine zitiert es sehr erschütternd:  “In Niger, the country with the highest percent of girls married before 18, 12-year-old Takia reported to the United Nations Population fund that she was married at 9 to a man who was around 50 years old—and at 11 gave birth. She told UNFPA,One day my father told me I was to be married. I was never asked how I felt. It was my duty to respect his decision … I would have wanted to wait and find the one I love. But now it is too late. I prefer not to think about it. It is difficult for me, and for the whole country.”

Ich könnte echt heulen, wenn ich mir vorstelle, was 38000 Mädchen jeden Tag angetan wird. Und zwar keineswegs nur im Taliban-Steinzeitland Afghanistan.

Die allermeisten von ihnen werden wohl nie so glücklich sein wie diese Ladies hier

0281AS (39)

Über sunflower22a

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3 Antworten zu 38000 Mädchen werden jeden Tag zwangsverheiratet

  1. m schreibt:

    Wie ist das denn so: war dem 17-jährigen Bräutigam denn nach dieser Heirat oder wurde auch er gezwungen? Hört man darüber etwas? Nein, nicht wirklich. Nie.

  2. sehenundfuehlen schreibt:

    Dieses Thema finde ich so schrecklich. Problem an der ganzen Sache ist auch, dass dies nie ein Ende haben wird. Und es ist überall auf der Welt.
    Stephanie Sinclair ist eine tolle Journalisitin, die sich um dieses Thema kümmert. Und auch in der National Geographic Live! – Too Young to Wed erklären sie dieses Problem.
    Habe übrigens auch einen Artikel darüber geschrieben🙂 schau rein.

    http://sehenundfuehlen.wordpress.com/2014/04/02/du-musst-heiraten/

    Liebe Grüße

    Rabeah

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