Manchmal müsste man Dänisch sprechen können

 

Thomas Blachman? Nie gehört. Ich bis vor kurzem auch nicht. Aber der Typ macht eine interessante Sendung im dänischen Fernsehen. In einem dunklen Studio ohne Publikum sitzt Blachman mit einem anderen Mann auf einem kleinen Sofa. Vor die beiden Männer tritt eine Frau, die ihren Satin-Morgenmantel  abstreift und nackt vor ihnen stehen bleibt. Und dann plaudern die beiden über, na worüber wohl, die körperlichen Eigenschaften der Lady vor ihnen und über Sex und Geschlechterverhältnisse im Allgemeinen. Die Frau sagt nichts, grinst nur vielsagend ab und zu und denkt sich ihren Teil. Staatliches dänisches Fernsehen, 22 Uhr, gute Sendezeit.

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Bei uns wäre das nicht ARD, sondern RTL 2. Von Welt bis Focus bis, natürlich, Brigitte – alle deutschen Medien machen die dänische Sendung runter – die Süddeutsche Zeitung titelt gar „Bei den Dänen peept’s wohl“. Das übliche – „erniedrigende Reduzierung der Frau auf ein Objekt“, Sexismus, ekelhaft, und so weiter.  Sex ist schmuddelig, nackte Frauen sind schmuddelig. Wir kennen das. Teutonischer Ernst des Lebens. Und Sex ist etwas todernstes.

Ich hab mal reingeschaut -– hier gibt’s die Mediathek dazu. Nur die Folge 6/6 hat englische Untertitel. Leider. Der Rest ist eben auf dänisch und für mich unverständlich.

 Aber ich habe mich sehr amüsiert. Schön sind die vielsagenden Mienen der Ladies, die den parlierenden Männern zuhören.

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 Ich ertappe mich bei dem Gedanken, das hätte ich auch gerne gemacht. Ja, mich freiwillig auf eine erniedrigende Reduzierung auf ein Objekt eingelassen, wie die politisch korrekten pseudofeministischen Mainstream-Schreiberlinge, ob Frau oder Mann, es formulieren würden. Ich hätte mich wahrscheinlich dauernd beherrschen müssen, nicht laut loszukichern.

Die Dialoge der beiden Männer sind wirklich sehr amüsant und interessant – unfreiwillig, nehme ich an. In der englisch untertitelten Folge hat Blachman zu Gast einen 89jährigen Sexualwissenschaftler. Du lernst hier viel über das unbekannte Wesen Mann. Blachman philosophiert, es gebe inzwischen „zu viel Pornografie auf der einen und zu viel politisch korrekten Puritanismus auf der anderen Seite“. Dazwischen werde der Mann zerrieben. Die Männer liefen heute ja nur noch „als Schattenfiguren herum“, es drohe gar „die schwanzlose Gesellschaft“. „ Ich bin ein moderner Mann und mehr Frau als es die Frau zu hoffen gewagt hat.“  Die starke Frau von heute verweibliche den Mann, begehre aber eigentlich den ursprünglichen Mann, den sie aber selbst zerstöre. „Sind deine Freunde nicht auch längst tot, weil sie keine Männer mehr sein dürfen?“

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 Oder etwas drastischer ausgedrückt:

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Blachman will deshalb die Sicht der Frau auf den Mann „re-positivieren“.

Was die beiden so daherschwafeln, da kommst du wirklich ins Kichern. Sie sinnieren darüber, dass rasierte Pussies oder Bauchnabelpiercings heute so eine verrückte Mode seien. „It‘s very trendy“. Na, die merken auch alles.

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Dass Prostituierte eigentlich keinen Orgasmus haben (woher die das nur wissen?).

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Einzig Paula Lambert, Sexkolumnistin der GQ, „Frau mit Penetrationshintergrund“ und bekannt aus dem  ZDFkultur mit ihrem Talk „Im Bett mit Paula“, sieht die Show viel unverkrampfter. In einem Interview im Tagesspiegel wagt sich ihr Gesprächspartner Joachim Huber aus dem politisch korrekten Mainstream mit der verwegen Behauptung  hervor, dass die beiden Männer  „schließlich Intimes preisgeben, Dinge, die viel nackter sind als der Frauenkörper, der vor ihnen steht. Und das Ausmaß der Empörung zeigt, dass es Redebedarf gibt über Sexualität und wie wir damit umgehen. Die weibliche Würde wird gar nicht verletzt mit diesem Konzept, die meisten sehen das bloß nicht, weil sie völlig hysterisch auf einen nackten Frauenkörper reagieren.“ Sehr zutreffend. Paula Lambert reagiert nicht hysterisch – „Die Dänen gehen mit dem Menschsein mit allen Facetten viel unverkrampfter um.“  Es sei die „bittere Wahrheit: Wir alle, nicht

nur die Dänen, haben den Bezug zu uns und unseren Körpern völlig verloren.“

100% zutreffend.

So eine Sendung sollte Paula vielleicht mal umgekehrt machen. Zwei Frauen unterhalten sich vor einem nackten schweigenden Mann. Ich glaube, wir würden vielleicht vieles Interessantes über uns selbst erfahren. Und vielleicht kämen wir wie Blachman dann am Ende zu dem Schluss:

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Über sunflower22a

I am a mystery.
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