Nein, ich bin keine Feministin – aber warum eigentlich nicht?

Immer mehr Frauen kommen in Führungspositionen, immer mehr Frauen haben Erfolg und machen Karriere in allen möglichen Lebensbereichen. War das nicht mal die Idee des Feminismus? Vielleicht. Aber heute will sich kaum noch eine erfolgreiche Frau als Feministin bezeichnen. Die Merkel sowieso nicht, obwohl sie angeblich mit einer bekannten Alt-Feministin gut befreundet sein soll. Dass du in der Politik so gut wie keine bekennende Feministin findest, mag nicht weiter verwundern. Aber auch im etwas weniger verkrampften Kulturbetrieb und Showbusiness ist das so.

Salon hat da mal nachgehakt. Madonna ist keine Feministin, sie erklärt sie sei eine Humanistin. Ist das ein Gegensatz? Nein. Immerhin steht sie auf der Liste der meistgehassten Frauen der katholischen Kirche auf einem Spitzenplatz, und ist damit wohl in den Augen der Kardinäle eine Feministin. Katy Perry meint,” I am not a feminist, but I do believe in the strength of women.Carla Bruni baut eigenartige Gegensätze auf – sie erklärt, sie sei absolut keine aktive Feministin, sondern bürgerlich. Heutzutage brauchen Frauen keine Feministinnen mehr zu sein, meint sie.

Lady Gaga geht in eine klare Kontra-Position: “I’m not a feminist. I hail men, I love men, I celebrate American male culture – beer, bars, and muscle cars.” Da läuft in der Tat jede Feministin schreiend davon. PJ Harvey hat recht eigenartige Ansichten – sie meint, darüber denke sie gar nicht nach, sie denke noch nicht einmal darüber nach, dass sie eine Frau sei, das sei doch Zeitverschwendung. So ein Blödsinn. Islands Pop-Ikone Björk ist da wohl etwas ehrlicher – sie befürchtet gesellschaftlich in die Isolation zu geraten, wenn sie sich als Feministin bezeichnen würde.

Geradezu apokalyptisch geht es bei Marissa Mayer zu – sie sagt, sie sei absolut keine Feministin, und wenn man anfange Leute so in Schubladen zu stecken, würde die ganze Welt zum Stillstand kommen. Gewagte Theorie, und von der Realität offensichtlich längst widerlegt. Juliette Binoche hält solche Begriffe für eine Stereotypisierung, und findet es langweilig sich daran zu beteiligen. Das kann ich noch nachvollziehen.

Nur Beyoncé macht eine Ausnahme. In einem  Interview mit der britischen Vogue erklärte sie kürzlich, eigentlich sei sie keine Feministin, das Wort sei ja so extrem, aber irgendwie sei sie doch eine, aber eine moderne Feministin. Sie glaube nämlich an Gleichberechtigung. Aha, das taten die Feministinnen früherer Tage also nicht?? Als Grund gibt sie an, sie sei glücklich verheiratet.

Gegen die Traditionsfeministinnen habe ich auch viel. Ihr Negativimage liegt an der Verbissenheit, Humorlosigkeit und Sex- und Lustfeindlichkeit, die bei vielen ihrer Aushängeschilder rüberkommt. Aber dass selbstbewusste, erfolgreiche, humorvolle, lustvolle  und sexy Frauen auf keinen Fall Feministinnen sein wollen, ist schon eigenartig. Aber vielleicht auch egal.

Ich habe keine Probleme mit dem Begriff Feministin. Ich habe auch nichts gegen Männer, sie sind mir bloß nicht so wichtig. Ich definiere „Feminismus“  nur anders als Frau Schwarzer. Lassen wir mal die Lustfeindlichkeit des Traditionsfeminismus weg, stellen wir fest dass sich sogar playboy-playmates wie Juliette Frette  als Feministin bezeichnen können. Ich würde sogar noch weiter gehen: auch eine selbstbewusste, erfolgreiche Escort-Lady wie Vanessa Eden erfüllt für mich alle Kriterien für Feminismus: sie steht öffentlich zu dem was sie tut, es macht ihr Spaß, sie tritt engagiert für andere Frauen ein und dafür dass sie ein selbstbestimmtes Leben führen können. Toll – solche Frauen braucht die Welt, und keine Tugendwächterinnen die den anderen sagen was sie tun oder nicht tun sollen.

Beyonce-1

Über sunflower22a

I am a mystery.
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