International Topless Jihad Day

Femen hat wieder zugeschlagen. Die Aktion gegen Putin auf der Hannover-Messe war auf fast allen deutschen Zeitungen auf Seite 1 – die couragierten Ladies natürlich nur verschämt von hinten zu sehen, keine barbusigen Frauen auf Seite 1 bitte. Das wäre ja Bild-Zeitung…oder politisch unkorrekt. Dabei war die Aktion wunderbar, und Putin reagierte wie erwartet: eine schöne Aktion, fand er. Ich übrigens auch. Allein schon Merkels angeekeltes Gesicht war die Aktion wert.

Aber diese Verklemmtheiten lasse ich jetzt mal beiseite. Es geht um ernstere Dinge. Am 4.April placierte Femen die bisher größte koordinierte Aktion. Der „International Topless Jihad Day“ bestand aus zahlreichen Femen-Aktionen vor tunesischen Botschaften gegen die Bedrohung der 19jährigen tunesischen Femen-Aktivistin Amina Tyler. Sie hatte, inspiriert von Femen, in Tunesien eine Oben-Ohne-Aktion gestartet mit der Botschaft „Mein Körper gehört mir“. Diese banale Selbstverständlichkeit, und dann noch mit so einer Aktion, war erwartungsgemäß zuviel für das islamische Patriarchat. Sie lebt jetzt versteckt, nachdem sie Todesdrohungen erhalten hatte, und befürchtet auch für ihre Familie das Schlimmste. Sie sagte in einem Interview mit dem französischen Canal Plus, sie fürchte um ihr Leben und müsse Tunesien wohl verlassen, aber sie werde ihre Femen-Prinzipien aufrechterhalten bis sie 80 sei.

Bewundernswert. Ich bewundere ihren Mut wirklich. Andererseits kommen die Femen-Aktionen ausgerechnet in den Ländern, auf die der International Topless Jihad Day abzielt, nicht wirklich gut an – auch nicht bei den Frauen, denen sie helfen sollen. Frauenaktivistinnen in der Nahostregion fanden das nicht wirklich hilfreich: sie müssen sich schließlich ständig gegen islamistische Eiferer wehren, die behaupten, Frauen mehr Rechte zu geben führe zu sexueller Freizügigkeit und Verwahrlosung. Und es ist ja auch nicht jederfraus Sache, oben ohne Protestaktionen zu machen (selbst ich habe mir das noch nicht getraut). „Nacktheit befreit uns nicht“, so muslimische Frauenaktivistinnen als Antwort auf Femen, und sie starteten einen „Muslimah Pride Day“ als Antwort.

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Vermutlich haben sie recht. Mit derart heftigen Aktionen wie Femen helfen wir den Frauen in den islamischen Ländern nicht, sondern spielen ihren Gegnern in die Hände. Da gibt es einfach zuviele kulturelle Unterschiede…

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Über sunflower22a

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