Porno wird weiblich

Kaum zu glauben, aber bis jetzt kann ich mit Pornofilmen nicht viel anfangen. Wenn Sex zum Genitalsport degradiert, ist das doch langweilig. Und weil bei den Pornos von Männern für Männer meist das Grundgesetz von lustvollem Sex, nämlich dass die Frau vom Mann als Göttin verehrt werden soll, komplett missachtet wird, ist die Respektlosigkeit, mit der Frauen in vielen solcher Filmen durchgebumst werden, auch einfach frauenverachtend und abstoßend.

Die Verkaufszahlen gehen wohl auch deswegen zurück, weil selbst viele Männe damit nichts mehr anfangen können. Nur die von Frauen gedrehten Pornos boomen, und immer häufiger ist ihre Zielgruppe ebenfalls Frauen. Ein neues Buch „The feminist porn bookgeht der Sache auf den Grund – und hier gibt es ein TV-Interview mit der Autorin. Die vermutlich erste Produzentin von Frauen-Pornos, Candida Royalle, begann damit immerhin schon 1984 – und kam nicht weit, weil ihr schon die Vertriebskanäle der Branche praktisch verschlossen waren. Pornos für Frauen mussten als Pornos „für Paare“ gelabelt werden, umj überehaupt eine Chance zu haben. Und natürlich hat der Mainstream der feministischen Bewegung zu der Zeit versucht, Pornos zu verbieten, statt sich mal die Frage zu stellen, ob das die Antwort auf den männlichen Porno-Schrott ist.

Erst seit der Jahrtausendwende hat sich das Bild grundlegend geändert. Angeblich sind mittlerweile etwa ein Drittel der Pornofilm-Zuschauer Frauen, es gibt einen regelrechten Boom bis hin zu den Feminist Porn Awards. Auch wenn wir in einer zunehmend verklemmter werdenden Zeit leben – Frauen haben heute auf jeden Fall heute mehr Freiräume denn je, ihre Sexualität auch unkonventionell auszuleben. Und dazu haben sie alles Recht – und selbst Männer haben was davon, weil Sex dadurch einfach viel interessanter und abwechslungsreicher wird.

Auch für die Darstellerinnen (und Darsteller) ist es bestimmt eine Bereicherung, Regisseurinnen zu haben und Dinge tun zu  können, die ihnen selber bestimmt auch mehr Spaß machen.

Also, ich vermute, das Genre muss ich mal erkunden. Erika Lust klingt vielversprechend. Auch das nächste Alternativ-Porno-Festival kann man sich ja schon mal vormerken. Pink and White – Porn for Pussies, klingt auch nicht schlecht.

RTL 2 hat übrigens eine echt gute Sendung dazu gemacht: Die neuen Sexgöttinnen. Klingt reißerisch, typisch für den Sender, aber eine gute Sendung. Sie porträtieren unter anderem die feministische Pornoregisseurin Petra Joy, eine durch und durch sympathische Frau. Sie gewann übrigens den diesjährigen Feminist Porn Awards in der Kategorie „Hottest Vignette“ mit dem Film „A Taste of Joy“ – congratulations!

feminist_porn_qa

Über sunflower22a

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