Der Vagina-Monolog

Auch so ein grundsolides Blatt wie der Berliner Tagesspiegel  hat am Wochenende wirklich schön zu lesende Texte über die Dinge des Lebens, über die sich viele schämen zu schreiben. Am vergangenen Wochenende erschien „Der Vagina-Monolog“: Frauen erkunden bei einer Sex-Beraterin ihre eigene Sexualität, oder genauer gesagt erst einmal ihre Anatomie. Der Artikel ist so unterhaltsam und gut geschrieben, dass ich gerne daraus zitiere:

Ich habe einmal an einem einzigen Tag 14 Klitorisse im Spiegel bewundert – oder wie nennt man das weibliche Geschlechtsorgan im Plural? Die Begriffslage ist ja „untenrum“ bei Frauen recht schwierig. Entweder klingt es technisch oder ist politisch bedenklich. Vorsicht ist etwa beim Wort Vagina angebracht: Das ist der Tunnel zum Muttermund, und lange hielt man diesen Ort weiblicher Sexualität für den einzig wichtigen. Vermutlich war er, fortpflanzungstechnisch, einfach unvermeidbar. Ich empfehle „Vulva“, damit ist man auf der sicheren Seite. Die Vulva deckt lauter Organe ab, die bei der Vagina auf der Strecke bleiben: Innere und äußere Lippen, Klitorisperle und -kapuze, Vaginaleingang, Harnröhre, kurz: alles, was sich da (von lateinisch: volvere) wölbt und wickelt und ergießt.

Näheres erfährt die Autorin bei Laura Meritt. „Seit Jahren berät sie Frauen in ihrem Sexshop „Sexclusivitäten“ in Kreuzberg, hält Vorträge über Sex im Alter oder zeigt feministische Pornos….Angefangen hatte alles mit einem Vortrag in ihrem Freitagssalon. Es ging um den weiblichen Orgasmus, und ich erhielt Informationen über meine Klitoris, die ich faszinierend und etwas befremdlich fand. Ich lernte, dass meine Klitoris zwei Schenkel hat, die sich tief hinein in meinen Körper erstrecken und mit ihrem Schwellgewebe die Vagina umklammern. Auf den Zeichnungen, die aus jenem Buch stammten, sieht das so aus, als säße ein dicker Pinguin, die Ärmel seines schwarzen Fracks leicht abgespreizt, auf einer Südpol-Pipeline. Alles, was wir sehen können, ist sein Schnabel, die kleine Klitorisperle. Im Falle einer Erregung hebt der Pinguin seinen Kopf. Auf den Bildern gab es eine Menge Verästelungen – das Harnröhrenschwellgewebe, wie sich herausstellte, auch weibliche Prostata genannt. Dort wird Ejakulat produziert, das durch die beiden Skene-Drüsen herausspritzt. Später schauten wir gemeinsam in den Spiegel, um diese Drüsen zu suchen….Aber die beiden winzigen Pünktchen, die Skene-Drüsen, durch die die Flüssigkeit austritt, haben wir bei allen gefunden – nicht ganz ohne Hilfe unserer Lehrerin. Eine nach der anderen schmiss, weil sie nichts sah, frustriert den Handspiegel hin und setzte sich, breitbeinig und von aller Scham befreit, vor den größten Spiegel. Umringt von den anderen ließen wir uns von Laura Méritt das kleine Organ zeigen. Wir starrten und staunten.“

Klingt komisch? In der Tat. Aber vielleicht hat der Philosoph Michel Foucault (ein Mann!) recht, wenn er sagt, Sexualität entsteht erst, indem wir darüber reden, indem wir Wissen schaffen. Da lernst du wahrscheinlich nie aus. Und je besser Frauen ihre Sexualität kennenlernen, desto selbstbewusster können sie sie ausleben.

hier vielleicht ein paar nützliche Tips:

Vulva_description

Über sunflower22a

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