Sexuelle Erpressung im Internet

Amanda Todd war ein kanadischer Teenager. Im Oktober 2011 beging sie Selbstmord, nachdem sie von pädophilen Ekeltypen erpresst wurde. Jahre zuvor hatte sie sich leichtsinnigerweise für einen unbekannten Typen vor der Webcam ausgezogen. Danach drohte er, die Videos zu veröffentlichen wenn sie nicht immer wieder neu stript. Ein Teufelskreis, aus dem es für Amanda kein Entrinnen mehr gab. Vice.com berichtet darüber ausführlich.

Es gibt offenbar eine regelrecht organisierte Szene solcher pädophiler Feiglinge, die sich in Internetforen austauschen, wie sie sich an ihre meist minderjährigen „targets“  ranmachen können. Allzu schwierig scheint es auch nicht zu sein, in die Foren reinzukommen – aber um so schwieriger ist es mit der Strafverfolgung. Besonders übel sind Typen, die sich email und facebook-Passwörter beschaffen und damit drohen, unter der Absenderadresse des Opfers Nacktfotos oder Videos zu versenden.  Oder der Hotlangestellte, der Überwachungssoftware installiert und sich so Erpressungsmaterial beschafft.

Amanda Todd ist ungewöhnlich, nicht nur weil sie im Gegensatz zu vielen anderen Opfern Selbstmord beging, sondern weil sie kurz davor auf einem YouTube-Video öffentlich machte, welche Qualen sie durch den Erpresser jahrelang erlitten hat.

Ob das Plädoyer des Vice-Reporters Patrick McGuire für einen offeneren Umgang mit Pädophilie sinnvoll ist, bezweifle ich. Er argumentiert, viele Pädophile seien sich ihrer Krankheit bewusst und täten alles, sie unter Kontrolle zu halten, würden aber keine professionelle Hilfe suchen wegen des Stigmas, weil sie riskieren danach gesellschaftliche Outcasts zu sein. Mag sein. Die Risiken und Nebenwirkungen eines solchen, sagen wir mal, toleranteren Umgangs mit Pädophilie sind aber erheblich, und vor allem in Deutschland wäre es der perfekte Vorwand für viele Richter, noch niedrigere Strafen gegen pädophile Gewalttäter zu verhängen als sie es ohnehin schon tun. Bei der deutschen Justiz ist der akzeptierende Umgang mit Pädophilie schon lange beklemmende Realität, und jedes dieser milden Skandalurteile erhöht – berechtigterweise – die gesellschaftliche Wut auf Pädophile.

Allerdings ist wohl auch einiges in einer Gesellschaft zu hinterfragen, in der anscheinend Nacktfotos etwas derart Schlimmes sind, dass sich junge Mädchen deshalb umbringen. Die sexuelle Verklemmtheit Nordamerikas hat sich leider auch immer mehr nach Europa ausgebreitet. Bis zur Burka ist es dann zwar immer noch ein weiter Weg, aber wenn du überall gewarnt wirst, dass schon ein einziges Nacktfoto im Netz deine Karrierechancen für den Rest deines Lebens ruinieren kann, dann tickt eine solche Gesellschaft nicht mehr richtig. Selbst knappe Bikinis oder gar topless am Strand sind angeblich schon ein Karriererisiko, wer weiß wer da mit seinem Smartphone heimlich Bilder macht. Na und, soll er doch. Die smartphone-Revolution hält mich auch von keinem Nacktstrand ab.

Es ist wirklich paradox , der Aufstand gegen die abstruse katholische Sex-Unterdrückungs-Ideologie geht einher mit einem Revival protestantischer Prüderie. Die überschwappende Diskussion über Alltags-Sexismus hat auch so eine Schlagseite. Sexuelle Selbstbestimmung von Frauen und mehr Sinnlichkeit gerade auch im öffentlichen Leben  kennzeichnen eine freie Gesellschaft und freie Frauen, nicht schamhaftes Verstecken. Amanda Todd wäre in einer weniger verklemmten Gesellschaft mit Nacktfotos nicht erpressbar gewesen.

 beach (172)

Ist diese Szene schon eine Gefahr für die Karriere????

Über sunflower22a

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Eine Antwort zu Sexuelle Erpressung im Internet

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