Caner Textil – Internationale Textil-Restposten in Berlin

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Selbst die gehobenen Mittelschichten haben heutzutage wachsende Angst vor sozialem Abstieg. Die von ihnen jahrelang gewählte neoliberale Politik führt eben erklärtermaßen dazu, dass die Reichen reicher werden, und erst jetzt merken die gehobenen Mittelschichten, dass das leider nicht für sie als bestenfalls eingebildete Reiche gilt, sondern nur für die wirklich Reichen. Auch mich plagen diese Abstiegsängste, ich gebe es zu. Die Auftragslage. Noch ist sie gut. Sie war eigentlich immer gut. Aber wie lange noch? Sowas geht mir durch den Kopf, wenn ich an Caner Textil vorbeispaziere, zum Beispiel.

So stelle ich mir das vor. Im Jahre 2017. Die chicen Kudammboutiquen kann ich mir nicht mehr leisten. Unbezahlbar. Die reichen Russinnen gehen ein und aus. Chinesinnen mittlerweile auch. Inderinnen. Münchnerinnen. Hamburgerinnen. Polinnen. Türkinnen. Ja, ab und zu auch einige Berlinerinnen. Nur ich nicht mehr. Ich bin jetzt bei Caner Internationale Textil Restposten gelandet. Das was die anderen übriglassen, oder gar nicht erst anschauen. Hier kann ich mir noch alles leisten. Für 100 Euro gehst du vollbepackt raus. Hier muss ich aber tolerant sein. Irgendwie nicht mein Stil. Aber sagen wir es mal so, die Globalisierung führt eben nicht zu einem internationalen Einheitsbrei. Schon gar nicht zu einer Amerikanisierung, auch wenn die Amis das nicht verstehen. Sondern sie führt zu einer allgegenwärtigen Verfügbarkeit von fast allem. Rumänischer oder serbischer chic auch in Berlin. Oder Kleider die in Albanien  ultrageil wären, da wärst du der Star der Party, nur eben in Tirana und nicht in Berlin.

Und das nur für 13.50 Euro. Okay, alles Polyester, sei nicht kleinlich, was solls. Extravagant geschnittene Jeansröcke, 11 Euro. Lingerie, der Hammer – die ist wirklich scharf. Selbst Sachen die es sonst nur im Erotikshop gibt, rote fishnet minis sogar im Schaufenster, nur ausgerechnet diese Sachen sind kaum billiger als im Erotikshop. Bunt glitzernde Kleider voller Gold- und Silberlametta. Sowas siehst du in keinem C&A oder H&M.

Das musst du dann eben voll durchziehen. Den anderen erzählst du dass du das nicht bei Caner Textil sondern bei Kosovo Fashion International in Pristina gestern abend gekauft hast, nachdem du dort eine Marktrecherche vor Ort gemacht hast. Die Klamotten von der letzten Party waren aus Shenzhen, China, nicht von Caner. Da war ich bei einer business conference letzte Woche. Shenzhen, nie gehört? Oh du Ärmste, wie ahnungslos, das hat mehr Einwohner als Berlin, und fünfmal soviel Wirtschaftsdynamik, ultimativer chic dort, da musst du einkaufen. Wang Xeng heißt die Boutique, voll angesagt dort. Die Hong Kong-Ausgabe der Vogue hat kürzlich eine Story über den Laden gehabt, hast du das nicht gesehen? Hihi.

Zurück in die Realität 2012. Noch hat es mich nicht erwischt. Ich gehe weiter zum Kudamm.🙂

Über sunflower22a

I am a mystery.
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