Der Traditions-Feminismus ist total kaputt: Wer Sex-Arbeiterinnen bekämpft, ist keine Frauenrechtlerin

Man muss das Sex-Gewerbe nicht toll finden. Es hat viele Schattenseiten, wie fast alle anderen Branchen auch. Es gibt viel Ausbeutung, so wie bei Amazon, Lidl oder Kik auch. Aber die Beschäftigten haben weit weniger Rechte, sie werden in weiten Teilen der Welt kriminalisiert. Weil Leute quer durch die Gesellschaft Anstoß daran nehmen, dass sich Menschen – und das sind überwiegend Frauen – gegen Geld ausziehen, nackt fotografieren lassen, nackt oder oben ohne tanzen oder Getränke servieren, am Telefonhörer oder der Webcam masturbieren oder eben auch echten Sex haben.

Seit Jahrhunderten wird das kriminalisiert, und wie der Drogenkrieg auch nützt es nichts – weder der Drogenkonsum noch das Sexgewerbe lassen sich mit Kriminalisierung ausrotten. Nur die Profitraten steigen (fragt sich für wen), und das Risiko steigt auch (fragt sich ebenfalls für wen).

Amerikas Knäste sind voller Frauen, die wegen Gesetzen gegen Prostitution inhaftiert werden. Wenn ein Freier sie anzeigt, weil sie nachträglich den Preis erhöht haben – Knast. Wenn der Freier nachträglich den Preis senkt – Pech gehabt. Keine Frauenrechtsorganisation, keine Feministin kümmert sich darum. Besonders übel ist die Doppelmoral von Traditions-Feministinnen, die sich mit religiösen Extremisten gegen Sex-Arbeiterinnen verbünden. Ein Interview mit der Journalistin und früheren Sex-Arbeiterin Melissa Gira Grant ist wirklich lesenswert. Sie hatte kürzlich in der Internetzeitschrift „Reason“ einen bemerkenswerten Artikel veröffentlicht mit dem Titel „The war on sex workers“. Eine „Coalition Against Trafficking in Women (CATW)“ setzte den Village-Voice-Verlag solange unter Druck, bis dieser seine „Erotic Services“-Internetseite zumachte, auf der jeder Mensch mit einer email-Adresse erotische Dienste anbieten konnte. Nachdem schon Frauen, die auf der Seite für sich warben, im Knast landeten, sind viele nun wieder gezwungen, auf den Straßenstrich zu gehen.

Kurz zuvor hatte die Uralt-Feministin Gloria Steinem (ja, die lebt noch) mit Finanzierung von Milliardär Warren Buffett in den Rotlichtbezirken von Kalkutta dafür geworben, Gesundheits- und Bildungsprogramme für Prostituierte zu schließen, denn das sei ein Beitrag gegen die „Versklavung“ der Sexarbeiterinnen. Spinnt die? Wie kann man die Beseitigung von Frauengesundheitsprogrammen als Beitrag zur Befreiung der Frau ausgeben?

Es ist nichts Neues, dass Feministinnen gegen das Sexgewerbe, ob Pornografie oder Prostitution,  agitieren. Früher taten sie das eher abstrakt, aber sie agitierten nicht gegen die betroffenen Frauen direkt. Das hat sich geändert. Dass Frauen aus freien Stücken in dieser Branche ihr Geld verdienen, kommt in den Hirnen dieser „Feministinnen“ und dieser religiösen Extremisten offenbar einfach nicht vor, und wenn es vorkommt, wollen sie es ihnen verbieten. Sie werten es als Erfolg, je mehr betroffene Frauen sie in den Knast werfen. Da ist es nicht mehr weit bis zur mittelalterlichen Hexenverbrennung. Weibliche Eifersucht soll ja einen großen Teil der Hexen-Denunziationen ausgemacht haben.

It is not sex work that exposes sex workers to violence; it is our willingness to abandon sex workers to violence in an attempt to control their behavior. Prohibition makes prostitution more dangerous than it would otherwise be by pushing it underground and stripping sex workers of legal protection. The fight over that policy is about more than just strains between generations of feminism. It is about an unholy marriage of feminism with the conservatism and police power that many feminists claim to stand against.- so Melissa Grant, und sie hat 100% recht. “Feministinnen” kämpfen gegen Frauen, die anders sind als die traditions-feministische Norm. Die Kriminalisierung beraubt Sexarbeiterinnen seit Jahrhunderten ihrer Rechte – im Namen der christlichen Moral oder heute der feministischen politischen Korrektheit. Abscheulich.

Solche politischen Extremistinnen haben wir in Deutschland auch, aber sie sind noch nicht so aggressiv. Mal sehen wie lange noch. Immerhin haben wir einen etwas rationaleren Umgang mit Prostitution, sowohl wissenschaftlich als auch politisch. Dennoch überwiegt die Perspektive, über Sex-Arbeiterinnen zu reden, selten mit ihnen – von wenigen Ausnahmen abgesehen. Vanessa Edens Mut, offen über ihre Escort-Tätigkeit zu sprechen, ist unendlich bewundernswert. Aber es ist die Ausnahme. Wenn etwa ein so anerkanntes Medium der politischen Bildung wie die „Aus Politik und Zeitgeschichte“ der Bundeszentrale für politische Bildung ein Heft über Prostitution herausbringt, kommen zwar alle möglichen Leute zu Wort, die den Prostituierten helfen wollen, damit aufzuhören – aber keine Prostituierte selbst. Auf die Traditions-Feministinnen können wir jedenfalls nicht zählen, wenn es darum geht, Frauen die freie Wahl ihrer Lebensform zu ermöglichen, auch wenn das beinhaltet, in welcher Form auch immer mit Sex oder Erotik Geld zu verdienen.

Diese Ladies sind keinen Kriminellen, sondern liebenswerte Menschen!

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Über sunflower22a

I am a mystery.
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