Safiras Rache

Blogger-Kollegin westendstorie hatte eine Idee: sie placierte ein Bild auf ihren Blog und hat ihre Leser eingeladen, aus dem Bild eine Story zu machen. Das Bild sprach mich direkt an, und ich habe ihr eine schöne Story geliefert. Die möchte ich den Leserinnen und Lesern meines eigenen Blogs nicht vorenthalten.

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Chemnitz, Frühjahr 2017. Safira Z. ist sauer. Sie ist schon länger sauer. Sauer über jahrelange, jahrzehntelange Diskriminierung, Gängelung, Geringschätzung, Versteckspiel. Sie will nicht mehr jammern. Sie will sich jetzt wehren. Sie hat einen Plan. Einen diabolischen Plan.

Sie schaut sich ihr Land an. Die demografische Keule zeigt längst ihre Wirkung. Überall Alte. Nichts gegen alte Menschen. Sie wird ja auch nicht jünger. Am allerältesten sehen die politischen Parteien aus, denen sterben die wenigen Mitglieder regelrecht weg. Regelrechte Rentnerversammlungen sind das. Und über genau die Parteien hat sich Safira am meisten geärgert.

Sie arbeitet als Freiberuflerin, aber sie genießt keine der vielen Vergünstigungen, die anderen Freiberuflerinnen offenstehen. Sie bietet nämlich sexuelle und erotische Dienstleistungen an. Die Nachfrage dafür ist zwar stabil, aber die Parteien haben sie in den letzten Jahren sehr drangsaliert. Vor allem die Zwangsregistrierung für Sexarbeiterinnen macht sie wütend. Seit das Register im Rathaus gehackt wurde und ins Netz gestellt wurde, wissen jetzt alle was sie macht.

Sie macht es weiter, aber es wurde nicht einfacher dadurch. Aber sie will sich heute abend rächen. Rächen an Werner K. Werner K., langjähriger Abgeordneter des Bundestages. Ihr langjähriger Kunde. Sie hat ihm jahrelang Vergünstigungen gewährt, als Gegenleistung für das Versprechen im Bundestag etwas gegen die Diskriminierung ihres Berufs zu tun. Aber er hat sie belogen, natürlich, wie so viele. Er war immer ein Hardliner. Er könne nicht anders, sagte er, er sei ja in der CDU. Da könne man nicht offen für Huren eintreten, ohne seine Karriere zu gefährden. Nur als Hardliner könne er etwas für sie tun. Nichts hat er getan, sagte ihr andere Kunden aus derselben Partei.

Heute will sie genau das tun: seine Karriere gefährden. Oder um ehrlich zu sein, sie beenden. Sie kandidiert gegen ihn. Sie will selber Abgeordnete werden.

Vor zwei Wochen ist sie in die CDU eingetreten. Sie hat sich bei anderen Kunden erkundigt, die Stimmungslage erfragt, die Schwächen des Werner K. erkundet, welche Feinde er in der örtlichen Partei hat. Sie weiß jetzt, dass er sich viele Feindegemacht hat. Viele haben offene Rechnungen mit ihm. Aber niemand wagt es, gegen ihn anzutreten.

Sie wagt es.

Er stellt sich vor. „Gibt es weitere Kandidaten?“, fragt der Versammlungsleiter.

Sie meldet sich.

Werner K. lacht sich halb kaputt. „Was willst du denn hier? Spinnst du?“

Das war sein Ende.

„Kennst du sie?“ fragt jemand.

„Äh, nein, natürlich nicht.“

„Natürlich, Werner, erst letzte Woche warst du doch wieder bei mir. Direkt nach der Fraktionssitzung. Und hast wieder abgelästert über Karl-Heinz B., über Tillich, über viele andere die ich nicht kenne.“, erwidert sie. Totenstille im Saal.

„Kommen wir zur Sache“, sagt der Versammlungsleiter. „Also Sie kandidieren? Sind Sie Mitglied? Wie ist Ihr Name?“

Werner K.‘s Bewerbungsrede wird zum Desaster. Mit hochrotem Kopf stottert er irgendwas, niemand versteht es. Es ist peinlich.

Safiras Bewerbungsrede wird zum rhetorischen Feuerwerk. Sie hätte sich das nie zugetraut. Sie reißt den Saal mit. Sie trifft die richtige Tonlage, redet über Lüge in der Politik, über Ehrlichkeit und Doppelmoral, über Jesus und Maria Magdalena, über Menschlichkeit.

Sie gewinnt die Abstimmung klar. Das CDU-Direktmandat gilt als sicher.

Safiras zweite Karriere begann an diesem Abend.

 

PS: nur wenige Tage danach flog Dominatrix Terri-Jean Bedford aus einer Anhörung im Parlament von Kanada. Sie hatte mit einer erfolgreichen Klage vor dem Obersten Gerichtshof die Regierung gezwungen, Gesetze aufzuheben, die ihre Berufsfreiheit und die ihrer Kolleginnen verfassungswidrigen Restriktionen unterwarf. Darüber habe ich hier geschrieben. Jetzt will die Regierung das berüchtigte „schwedische Modell“ einführen und die Kunden kriminalisieren. Immerhin, sie wurde zu der Anhörung eingeladen. Als man ihr die Redezeit kürzte, drohte sie damit, Abgeordnete zu nennen, die schon bei ihr Kunden waren. Sie flog unverzüglich raus. Wunderschön nachzulesen hier. “C-36 is a doomed rearguard action — aimed at winning donations and votes — and the Conservatives know it. What they don’t know: whose names are on Bedford’s list”.

http://video.ca.msn.com/?mkt=en-ca&vid=cbcc2014-1009-1509-0018-251395544700&src=v5:share:sharepermalink:&from=sharepermalink

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An apple a day…

…keeps the doctor away. Wer kennt ihn nicht, den Spruch für kleine Kinder, damit sie Äpfel essen. Jetzt sollen wir alle mehr Äpfel essen, damit die armen Bauern Europas ihre Äpfel loswerden, die die Russen nicht mehr haben wollen.

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Ich habe als Kind keine solchen Sprüche gebraucht. Ich liebe Äpfel. Die meisten jedenfalls. Selbst wenn an apple a day ungesund wäre, ich würde sie dennoch essen.

Der Apfel, die Schicksalsfrucht der Menschheit, wenn man der christlichen Mythologie (pardon, Religion) glauben soll. Eva, die Mutter der Menschheit, wurde angesichts einer seltenen Apfelsorte schwach.

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Ich kann das voll verstehen, mir wäre es genauso gegangen. Der Baum der Versuchung. Und so flog sie aus dem Paradies. Welch eine Gemeinheit.

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Wofür hast du ein Paradies, wenn du seine Äpfel nicht genießen darfst? Wäre ich in einem Paradies, wie gerne würde ich unter Apfelbäumen lustwandeln und sie genießen.

 

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Auch ich finde, den Apfelbauern Europas sollte man helfen. Wenn es tatsächlich für den europäischen Apfelbauern ein Problem ist, dass Exportmärkte wegbrechen, dann ist mit der politische Ökonomie des Apfels einiges schiefgelaufen. Merkwürdigerweise ist es nämlich gar nicht so einfach, die europäischen Apfelbauern als Konsumentin zu unterstützen. Weite Teile des Handels bieten über weite Teile des Jahres nämlich vor allem Äpfel aus Chile, Südafrika oder Neuseeland an. Ja, aus der Südhalbkugel. Um die halbe Welt gereist. Mit Schiffstreibstoff, der garantiert irgendwelche Öldiktaturen am Laufen hält. Nein, das hat nichts damit zu tun, dass europäische Äpfel im Frühjahr nun mal nicht geerntet werden. Sie werden natürlich im Herbst geerntet. Aber sie werden dann bis zu 12 Monate in Kühlhäusern eingelagert. Sie wären also im Frühjahr problemlos verfügbar. Aber sie werden erst verkauft, wenn sie einen vernünftigen Preis erzielen.

Der Tagesspiegel brachte dazu einen wirklich lesenswerten Hintergrundbeitrag. Es ist in Berlin nahezu unmöglich, „regionale Äpfel“ zu bekommen. Genauer gesagt kann man durchaus welche bekommen, die „regional“ heißen, aber weil der Begriff nicht geschützt ist, können sie von irgendeiner Region kommen. Nur eben nicht aus Brandenburg. Selbst für Bio-Äpfel gilt das.

Deutschlands Äpfel kommen überwiegend aus riesigen Plantagen in der Gegend von Hamburg, dem „Alten Land“. Sie werden mit einem irren Aufwand monatelang gekühlt, zur Verpackung und Vermarktung kreuz und quer durch die Republik gefahren. Äpfel aus der Region wollen die Supermarktketten nicht, das ist zu umständlich. Sie wollen eine mehr oder weniger gleichbleibende Einheitsware, die in riesigen Mengen konstant geliefert wird. Was genau gekauft und angeboten wird, bestimmt allein der Preis. Äpfel vom Bauern aus der Gegend werden nur ungern aufgekauft, wenn es nicht anders geht, und dann zu Dumpingpreisen.

Völlig pervers ist die Apfelsorte Pink Lady. Es ist die einzige, die ich aus Prinzip boykottiere, trotz des netten Namens. Der Name verliert seine Nettigkeit bereits, wenn man ihn richtig schreibt. Eigentlich heißt dieser Apfel nämlich „Pink Lady®“ „Die Barbie unter den Äpfeln“ treibt die Kommerzialisierung des Apfelbaus auf die Spitze. Bauern können sie nur anbauen, wenn sie die Lizenzrechte erwerben, Nachbau ist verboten. Eine Perversion von Landwirtschaft. Bitte nicht kaufen.

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Die politische Ökonomie des Apfels zeigt, was mit unserem globalisierten Wirtschaftssystem alles falsch läuft. Wozu werden Äpfel in riesigen Mengen aus der Südhalbkugel importiert, immer dieselben wenigen Standardsorten mit Standardgeschmack – und gleichzeitig werden selbst Europas Obstplantagen ihre Produkte nicht mehr los, und die kleineren Bauern gar nicht?

Auch ich kaufe die Standardäpfel aus aller Welt, und meist schmecken sie ja auch. Aber sie schmecken immer gleich. Ich liebe aber die Vielfalt. Warum können wir nicht immer wieder andere Äpfel in den Regalen haben? Sorten von denen du noch nie etwas gehört hast. Das ist doch viel spannender.

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Kürzlich habe ich durch einen wunderschönen Bildband geblättert. Ein katholischer Priester aus Bayern hat sein ganzes Leben den Äpfeln und Birnen gewidmet, man nannte ihn den Apfelpfarrer. Korbinian Aigner, welch wunderbarer Name, züchtete sie, und er malte sie. Alle Sorten, mit inniger Liebe und Hingabe. Seine Aquarelle gibt es in einem teuren, schweren, beeindruckenden Bildband zu sehen. „Äpfel und Birnen- Das Gesamtwerk“ ist der absolut passende Titel. 649 Apfel- und 289 Birnenbilder. Späte Blutbirne oder Goldrenette, Wintergoldparmäne oder Roter Herbstkavill – alles dabei, ein Universum wunderbarer Bäume. Aigner geriet mit den Nazis in Konflikt und wurde ins KZ gesteckt. Ausgerechnet dort gelang es ihm, heimlich vier neue Apfelsorten zu züchten. In jedem Jahr seiner Gefangenschaft entwickelte er eine Sorte, die er heimlich KZ-1, KZ-2, KZ-3 und KZ-4 nannte. Noch heute wird die Sorte KZ-3 angebaut, mittlerweile in den poetischeren Namen Korbiniansapfel umbenannt,

Welch ein Reichtum, von dem die normale Apfelkonsumentin kaum etwas ahnt. Er darf nicht verlorengehen. Diesen Reichtum von Apfelsorten zu bewahren, ist das Beste was man für Europas Apfelbauern tun kann. Ich möchte Dutzende Apfelsorten verteilt über das Jahr kaufen, durchaus auch mal importiert, aber nur ausnahmsweise. Ich möchte, dass freie Bauern und nicht irgendwelche Lizenznehmer von ekligen australischen Konzernen diese Apfelsorten kultivieren und bewahren, dafür gutes Geld bekommen, auch von mir. Und die Russen sollen doch ihre Äpfel einfach selber anbauen, und wenn sie das nicht hinbekommen, können sie meinetwegen die Chile-Äpfel gerne haben.

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Außenwerbung trifft jeden

Hoffentlich nicht. Ich hoffe nicht, dass ich wie Lenka demnächst ahnungslos spazieren gehe und plötzlich von Farbnebeln getroffen werde,

 

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Der Frühling kommt…

Der Herbst macht sich breit, sicher auch eine schöne Jahreszeit, aber das bedeutet erstens der Sommer ist vorbei (wie traurig) und zweitens bald ist Winter (Hilfe!). Die Modedesigner sind darüber schon hinweg und stellen jetzt in der New York Fashion Week und anderen Fashion Shows rund um die Welt die Kollektionen für Frühling/Sommer 2015 vor. Leider überwiegend Enttäuschungen. Ihre ganze Kreativität scheint für grandiose Bühnenshows draufzugehen, durchaus auch ansprechend wie bei Lie Sang Bong oder originell wie bei Yeohlee, aber nicht in die Kleider. Das meiste was vorgestellt wird ist entweder langweilig und einfallslos, oft genug geradezu bieder, oder derart schrill dass du das am liebsten in die Kategorie „moderne Kunst“ stecken würdest, aber nicht in die Kategorie „Mode die ich gerne anziehen  würde“.

Wer will schon in solchen Müllsäcken durch die Gegend laufen wie sie Marc by Marc Jacobs vorstellt

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Oder solchen Mönchskutten wie bei The Row

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Oder in solchen schrillen Farbenschachteln in einem absolut altmodischen Schnitt wie bei Sophie Theallet…fällt ihr nichts mehr ein? Ihre Herbst-Winter-Kollektion (ganz links) war so viel eleganter, teilweise sogar mit ganz ähnlichen Farben.

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Farbenschachteln mit grottigem Schnitt gibt es noch andere, so bei Brandon Sun , für Deutschland-Fans bei Libertine, oder Ohne Titel. Lieber ziehe ich nichts an als sowas.

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Das Gegenteil, alles in Weiß, geradezu Braut-Look, hat gerade auch richtig Konjunktur. Langweilig, wie Dawid Tomaszewski, meist geradezu spießig, zum Beispiel bei Prabul Gurung.

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Sehr beliebt sind in dieser Saison riesige Roben, wie bei Carolina Herrera,  Sophie Theallet, oder Zac Posen, wie unförmig, eine echte Enttäuschung.  Yeohlee, schöne Show aber teilweise richtig hässliche Klamotten. Solche Roben müssen nicht hässlich sein, sind es aber leider meistens – elegant sind sie selten, vor allem aber wirken sie meist alles andere als frühlingshaft.

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Es gibt aber auch einige elegantere Versionen dieser Riesenkleider, beispielsweise bei Vera Wang, oder bei Brandon Sun.

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Ach, und all das schrille hässliche Zeug, wen provoziert das denn noch? Mich nicht, mich langweilt es. Martin Margiela, natürlich, Thom Browne, oder Lacoste.

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Auch für die Männer sind überwiegend Klamotten dabei, die kein normaler Mann sich antun würde. Libertine hat richtig schrille Farbenschachteln, Custo Barcelona setzt auf attraktiven Minimalismus, und den Vogel an Hässlichkeit schießt Hood by Air ab. Stellt mann sich so den Frühling vor?

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Den Moment „das will ich haben“ habe zumindest ich nur selten bei den bis jetzt präsentierten Kollektionen. Brandon Sun hat was elegantes, Zero + Maria Cornejo auch,

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aber so richtig begeisternd schön ist Desigual, eine ganze Kollektion frühlingshafter Fröhlichkeit mit vielen Blumen. Das ist Frühling! Ich freue mich schon darauf!

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Der dänische Gnom

Anders Fogh Rasmussen. Wie kann man so einen komischen Namen haben? Kommt er aus dem Nebel? Was soll so ein Name? Dazu muss man Däne sein. Dänen haben fast alle komische Namen, weil sie so komisch sind. Sein Vorgänger hieß auch Rasmussen, sein Nachfolger auch. Nein, keine Familiendynastie. Die sind noch nicht mal verwandt. Aber viele Dänen heißen eben Rasmussen. Zugegeben, ich verallgemeinere. Nicht alle heißen Rasmussen. Egal. Skandinaviern stehe ich generell ziemlich distanziert gegenüber, weil so viele von ihnen dir rüberbringen, dass sie eigentlich bessere Menschen sind als der Rest der Welt. Die Schweden allen voran. Aber gut, nicht alle.

Anders Fogh Rasmussen

Mister Rasmussen, der Generalsekretär der Nato. Neoliberal bis ins Mark. Er hat die Xenophobie im einst weltoffenen Dänemark erst richtig zum Mainstream gemacht. Feindbilder aufbauen kann er. Angeblich muss er sich zweimal am Tag rasieren, weil er so einen starken Bartwuchs hat. Eine echte Testosteron-Bombe.

Der Gnom, mit der schrulligen Stimme. Allein schon der dänische Akzent wirkt schrullig. Er wäre gern lieber General als Sekretär, das merkt man seinen schnarrigen Statements an. Aber sie lassen ihn nicht wie einen General wirken, eher wie einen Lehrer der seiner widerspenstigen Grundschulklasse Disziplin beibringen will. Wenn er Putin drohen will, der kleine Däne aus dem kleinen Dänemark, es wirkt wie eine Komödie. Wenn er die Entschlossenheit der Nato beschwört, und alle wissen, es sind doch nur leere Worte von einem der gerne wichtig wäre, gerne Generalfeldmarschall der „freien Welt“ wäre. Er träumt von den guten alten Tagen, vom Kalten Krieg, als die Nato zwar kleiner war, aber wenigstens einen richtigen Feind hatte. Danach hatte sie noch nicht mal mehr ein Feindbild.

Wenigstens das hat sie jetzt wieder. Die Russen. Das Reich des Bösen, wieder.

„We have seen the Russians improve their ability to act swiftly. They can within a very, very, short time convert a major military exercise into an offensive military operation.”

Mensch, Rasmussen. Das können die. Willst du behaupten, deine Leute könnten das nicht?

„Nato remains ready for the defence of all allies against any threat. We have to ensure we have the right forces and the right equipment in place for as long as required … Nato always rises to every challenge, we stand ready to act together.”

Wie beruhigend. Wenn du das mit deinen Gnomenstimme und deinem unfreiwillig-komischen entschlossenen Gesichtsausdruck so sagst, da ist der Putin bestimmt ganz besorgt.

Ist er aber nicht. Der weiß doch genau, dass das alles hohle Phrasen sind. Sterben für Donetsk? Ach was. Who really cares about Donetsk?

Angst vor euch müssen andere haben. Die Armen in euren Mitgliedsländern.

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Um die bösen Russen zu beeindrucken, habt ihr beschlossen, die Militärbudgets zu verdoppeln. 2% des sollen die Nato-Mitgliedsländer für das Militär ausgeben. Die Deutschen müssten dann 55 statt 30 Milliarden im Jahr dafür auf den Tisch legen. Wofür? Für nichts. Weil man sich mit Putin ohnehin nicht wegen Donetsk einen Krieg liefern wird, und weil Putin nicht so irre ist dass er das Baltikum angreift. Für nichts. Weil man die Killerterroristen von ISIS auch mit dem heutigen Militärbudget locker erledigen könnte, aber man will nicht. Daran fehlt es. Solange die nur im Irak und Syrien ihre Massaker machen, ist der Nato das eigentlich ganz egal.

Der dänische Gnom geht bald. Bye bye. Dein Nachfolger wird nicht so unfreiwillig komisch. Wieder ein Skandinavier. Stoltenberg, der smarte Norweger. Sicher besser geeignet für die schwierige innenpolitischen Mehrheiten für viele neue Milliarden für das Militär als der dänische Gnom. Expect more conflicts to come. They need them.

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Männer und ihr Bier

Bier ist ein Männergetränk. Aber in Deutschland und Europa geht der Konsum zurück. Der Versuch, den sinkenden männlichen Bierkonsum durch die neue Zielgruppe Frauen zu kompensieren, war bisher nicht sehr erfolgreich. Auch die teilweise furchtbaren bunten Mixgetränke, in denen Bier enthalten ist, etablieren sich einfach nicht wirklich am Markt. Bei Frauen kommt Bier einfach nicht so an – zumindest nicht in den Mengen, in denen es die Brauereien gerne hätten.

Man kann es auch in die andere Richtung versuchen. Amstel Bier aus den Niederlanden erklärt uns mit diesem Werbevideo „why so many women prefer to stay single“. Enjoy.

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Nackte Stars

Promis haben es schon schwer. Alle Welt bewundert sie, aber natürlich sind sie auch ständig vor der Flucht vor Paparazzi. Am schwersten haben es Frauen, nein  nicht die Merkel – junge attraktive Frauen, Schauspielerinnen, Sängerinnen etc. Sie sehen gut aus, sie sind schön – und sie regen die Fantasie  des männlichen Publikums an: wie sehen sie wohl nackt aus?

Bei der Merkel will MANN das lieber  gar nicht wissen. Frau auch nicht. Bei Jennifer Lawrence allerdings – das wäre sicher sehenswert.

Genau das dachten sich irgendwelche Hacker, die auf dunklen Wegen sich Zugang zu  privaten Nacktfotos von einer ganzen Reihe Promis, in erster Linier weiblicher Promis, verschafften – und sie natürlich ins Netz stellten. Riesenaufregung, Riesenskandal.

An Apple lag es wohl nicht. Apple konnbte glaubhaft wiederlegen, dass sie Datensicherheit vernachlässigt haben. Es lag wohl eher an den Promis selbst, die ihre Passwörter und Zugangsdaten nicht genug geschützt haben. Whatever. Who cares.

Was soll die ganze Aufregung? Gerade im prüden Amerika, aber auch im prüder werdenden Europa gibt es jetzt diejenigen, die den betroffenen Stars vorwerfen, überhaupt Nacktfotois von sich zu machen. Wie schrecklich, wie sündig.

Ach was, ihr kapiert gar nichts. Warum machen wir sexy selfies, sexy fotos? “When we take a nude photo of ourselves and share it with a lover we are recognized for oneself sexually and that’s extremely powerful and arousing. The power of exhibitionism lies in being seen and being appreciated and to experience this recognition at a sexual level is intensely stimulating”, so Ian Kerner – nachzulesen bei Tracy Clark-Flory’s excellent aticle  “Why we’ll never stop taking naked photos”.

Ich finde: Congratulations! Ihr seht sowieso super aus, ihr seid stolz darauf, und das ist – um im Berliner Jargon zu bleiben – gut so. Auch wenn die gehackten Fotos weit überwiegend Amateurqualität haben, schönere nackte Schönheiten gibt es zuhauf im Netz, dennoch: ihr seid stolze Schönheiten, und ihr zeigt es. Gratuliere. Ich bewundere euch, und das sollten wir alle tun. Die Idioten, die wie die Walt Disney Company euch beschimpfen dass ihr überhaupt Spaß daran hattet, euch nackt fotografieren zu lassen, die könnt ihr vergessen.

Andererseits, natürlich sollt ihr selbst bestimmen, wann und wo und ob eure Fotos in eurer nackten Schönheit ins Netz gestellt werden. Es ist eine Frechheit, dass sich irgendwelche Typen Zugang zu euren privaten Daten verschaffen und sie einfach ins Netz stellen. Ist das nun ein „sex crime“, wie Forbes meint?

In Wirklichkeit erhöht es doch nur euren Marktwert. Wenn ihr keine protestantischen Keuschheitsfanatiker seid, was ich nicht glaube, hat es euch nur genützt, dass diese Fotos gehackt wurden. Bei den nächsten Verhandlungen könnt ihr eure Gagen-Forderungen gleich um 25% erhöhen. Denn solange die Gesellschaft euch als sexy ladies wahrnimmt, will sie gerne alles sehen. Das ist der Preis der Karriere, da hat der Guardian völlig recht.

Vielleicht sollten wir hier einfach mal über die Gesellschaft reden. Über eure Fans. Die sind nämlich verklemmt. Deswegen ist es so ein Skandal, dass ihr nackt seid. Für die. Sie sind eigentlich nur neidisch auf euch. Sie sind geil auf euch.

Dreht den Spieß einfach um. Seid stolz auf euch. Lasst uns einfach ein entspannteres Verhältnis zu unseren Körpern finden. Da ist nichts, wofür wir uns schämen müssten. Wir sind alle nackt auf die Welt gekommen. Wir müssen nichts verstecken. Je weniger sich irgendwer dafür schämt dafür, nackt zu sein, desto weniger interessant werden die Bilder nackter Promis. Am besten ihr setzt perfekt gemachte Aktfotos auf eure Webseiten. Um so uninteressanter  werden die schlechten Amateurfotos, die auf 4chan veröffentlicht wurden. Die sind nämlich überwiegend so schlecht, dass es einer Ästhetin wie mir gar keinen Spaß macht sie anzusehen.

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